• vom 20.08.2015, 12:30 Uhr

Wald


Interview

"Die Natur verurteilt uns nicht"








Von Christa Hager

  • Autor Clemens G. Arvay über die gesundheitsfördernde und heilsame Wirkung des Waldes.

"Wiener Zeitung": Die Auswirkungen des Waldes auf den Menschen werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich erforscht. In Ihrem aktuellen Buch "Der Biophilia-Effekt - Heilung aus dem Wald" beschreiben Sie einen hierzulande bisher eher unbekannten Ansatz. Was genau ist unter diesem Effekt zu verstehen?

Beim Thema "Biophilia" sind die Gefahren des Waldes jedenfalls total vernachlässigbar, sagt Buchautor Clemens Arvay.

Beim Thema "Biophilia" sind die Gefahren des Waldes jedenfalls total vernachlässigbar, sagt Buchautor Clemens Arvay.© Lukas Beck Beim Thema "Biophilia" sind die Gefahren des Waldes jedenfalls total vernachlässigbar, sagt Buchautor Clemens Arvay.© Lukas Beck

Clemens Arvay: Der Biophilia-Effekt ist die gesundheitsfördernde und heilsame Wirkung, welche die Natur auf uns Menschen hat. Dabei geht es nicht um natürliche Arzneimittel, sondern um den Kontakt zur Natur und den Aufenthalt in Wäldern oder auf Wiesen. Der Begriff "Biophilia" stammt von dem bekannten Psychoanalytiker Erich Fromm: Er ging davon aus, dass die Hingabe zur Natur in jedem Menschen angelegt ist. Der Evolutionsbiologe Edward Wilson wiederum hat den Begriff in die Naturwissenschaften eingeführt, indem er von einer genetischen Veranlagung des Menschen spricht, mit anderen Lebewesen in Kontakt zu treten. Also dass aus unserer Menschheitsgeschichte diese Neigung kommt, uns mit der Natur, mit anderen Lebewesen zu verbinden.

Wenngleich die Frage, ob Natur oder Umwelt das Wesen des Menschen bestimmt, bis heute die Wissenschaft scheidet.


Es gibt weder den Menschen nur als reines Naturwesen, bei dem alles genetisch veranlagt ist, noch ist der Mensch nur gesellschaftlich konstruiert. Der Mensch ist eben eine interessante Mischung. Das Faszinierende in Hinblick auf die genetische Anlage ist, dass unser Immunsystem sich als kommunikationsfähiges Sinnessystem herausgestellt hat, das in permanentem Austausch mit der Umgebung steht. Mit dieser organischen Antenne können wir den Wald betreten und sogar die Funksprüche der Pflanzen auffangen. Denn Pflanzen kommunizieren miteinander. Das hat nichts mit Esoterik zu tun sondern ist knallharte Wissenschaft.

Clemens Arvay über die Kommunikation der Pflanzen

Wie funktioniert diese Kommunikation?

Die Kommunikation läuft nicht über Sprache, sondern über chemische Substanzen. Diese Kommunikationsmoleküle gehören in die Gruppe der Terpene. Mit Terpenen können Pflanzen sich gegenseitig vor Angreifern warnen, sich darüber informieren, welche Schädlinge angreifen und wie groß diese Schädlingsarmee ist, damit die anderen Pflanzen ihr Immunsystem hochfahren. Und sie können sogar nützliche Insekten herbeirufen. (Mehr dazu im Video)

weiterlesen auf Seite 2 von 5

Clemens Arvay über die Kommunikation der Pflanzen






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Dokument erstellt am 2015-08-07 16:15:41
Letzte Änderung am 2015-08-20 12:12:27


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