Insekten, allen voran Schwebefliegenschwärme, brummen, dazu zwitschern Vögel, die man allerdings kaum sieht. Scheu ist auch das Gams- und Rotwild. Andere wilde Tiere wie Bären oder Wölfe etwa, gibt es keine mehr. "Die wurden verschwunden", sagt der Ranger. Dafür sind unter anderem der Dreizehensprecht, Alpenbock, das Auerhuhn oder neuerdings auch Habichtskäutze hier zuhause.

Die Schutzzone des Wildnisgebiets ist der perfekte Ort, sich zu verirren. Die Einstiege zu den schmalen Pfaden sind versteckt und unscheinbar, oft federt man auf weichen, von Laub oder Nadeln bedeckten Böden dahin, kriecht unter umgestürzten Bäumen hindurch, klettert über morsche Bäume oder wandert durch Buchenwäldchen und Zwergenwälder aus Fichten und Tannen hindurch, die Erinnerungen an Christbaumplantagen wecken. Tausende junge Nadelbäume wachsen hier, aber nur wenige erreichen das Erwachsenenalter, viele verlieren den Kampf ums Licht.

- © J. Kerviel
© J. Kerviel

Mal rauscht der Bach, mal rauscht der Wald. Es geht durch Dickichte von hohen, ausladenden Farnen, entlang struppiger Bärlapp-Teppiche und dazwischen immer wieder durch Wälder mit hochgewachsenen, alten Baumriesen. Ein besonderes Fichtenexemplar mit abgebrochenen Ästen, die wie Stacheln waagrecht aus dem Stamm schießen, dürfte an die 250 Jahre alt sein, an vielen Stellen ist die Rinde schon weggebrochen. Andere Bäume sind am Sterben, darauf weisen die vielen Baumschwämmen hin, bei so manchen hat der Borkenkäfer zugeschlagen. Doch dieser wird im Wildnisgebiet nicht bekämpft: "Wo kein Nutzen, da auch kein Schaden", sagt Hans Zehetner. "Ein vitaler Baum produziert so viel Harz, dass der Borkenkäfer ihm nichts anhaben kann. Ist ein Baum befallen, warnt dieser über das Wurzelsystem die anderen und der Käfer muss sich andere Gehölzer suchen." Der Wald braucht Störungen, sie sorgen für Stabilität und Resilienz.

Derzeit umfasste das Wildnisgebiet Dürrenstein eine Fläche von 3.500 Hektar, in den nächsten Jahren will die Steiermark mit 5.600 Hektar Naturwaldgebiet daran andocken. Doch auch trotz einer Erweiterung bleibt das Gebiet zu klein. Zu klein, um es vor einer regelmäßigen Störung durch den Menschen zu verschonen: Flugzeuge. Denn selbst eine Überflugverbotszone wie über den riesigen Wäldern Kanadas oder Skandinaviens etwa würde die regelmäßige Lärmverschmutzung von oben in dem kleinen Gebiet kaum eindämmen können.