Wien. Er trägt den sperrigen Namen Hymenoscyphus fraxineus, auch falsches weißes Stengelbecherchen genannt, und verhält sich in seiner Heimat Ostasien eigentlich ganz harmlos. Seitdem er aber vor etwa 25 Jahren über den Nordosten Polens über Gütertransportwege kommend seinen Beutezug nach Europa begonnen hat, wird er hier zum zunehmend gefürchteten Widersacher der Eschen: Der millimetergroße Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus befällt die Blätter, die Rinde und Wurzeln des eigentlich robusten Laubbaumes und breitet sich so lange aus, bis dieser stirbt. Vor mehr als zehn Jahren gab es die ersten Meldungen von befallenen Bäumen in Österreich, vor etwa einem halben Jahr die ersten Waldsperren in der Tullner und Korneuburger Au. Der Befall breitete sich rasch auf Stockerau, Klosterneuburg und auch den Nationalpark Donau-Auen aus, weiträumige Sperren wurden errichtet. Und das Eschensterben geht weiter. In Klosterneuburg hat man am Montag mit dem Fällen betroffener Bäume begonnen.

Manch eine Esche ist widerstandsfähiger als der Rest (o. im Bild ganz linke Esche). Für gewöhnlich werden Blätter, Triebe, Stamm und Rinde befallen (M.). Der Pilz, das falsche weiße Stengelbecherchen, ist weiß und becherförmig (u.). - © IFFF-BOKU
Manch eine Esche ist widerstandsfähiger als der Rest (o. im Bild ganz linke Esche). Für gewöhnlich werden Blätter, Triebe, Stamm und Rinde befallen (M.). Der Pilz, das falsche weiße Stengelbecherchen, ist weiß und becherförmig (u.). - © IFFF-BOKU

"Die Schlägerungsmaßnahmen finden entlang der markierten Wanderwege und Forststraßen statt", sagt Alexander Lung von der Stadtgemeinde Klosterneuburg, der für die Forstangelegenheiten verantwortlich ist. Die Revierförster der Österreichischen Bundesforste führten in betroffenen Gebieten ebenfalls verstärkt Kontrollen entlang der Wege durch, heißt es auf Nachfrage, um den Zustand der Eschenbäume zu dokumentieren. Absterbende Bäume würden umgehend gefällt und entfernt, um potenziellen Gefahren durch herabfallende Äste vorzubeugen. Auf den Holzpreis wirke sich das freilich negativ aus: Schadholz führe zu einem Überangebot auf dem Holzmarkt und damit zu einem Preisverfall, so die Bundesforste.

"Es gibt Fälle, bei denen
der Baum einfach umgestürzt ist"

In Klosterneuburg habe man jedenfalls einen auf 30 Jahre geschätzten Bestand komplett schlagen müssen, sagt Lung. Denn einerseits hafte der Waldeigentümer entlang dieser markierten Wege und Forststraßen für etwaige Schäden - etwa, wenn ein Waldbesucher verletzt wird -, andererseits sei der Pilz tückisch: "Es gibt Fälle, bei denen sich die Erkrankung vorher nicht gezeigt hat und der Baum einfach umgestürzt ist. Er hatte keine Wurzeln mehr", sagt Lung zur "Wiener Zeitung". Normalerweise mache sich der Pilzbefall durch entlaubte Baumkronen, welke Blätter und abgestorbene Triebe und Rindenregionen bemerkbar. Der Pilz heftet sich an die Blattstiele der Eschenblätter an, befällt die Leitungsbahnen und zehrt an den Nährstoffen des Wirtsbaumes. Fallen die Blätter mit den Fruchtkörpern der Pilze zu Boden, steigen deren Sporen in die Luft und verbreiten sich im Wind.