Aber selbst wenn es gelingt, den holzverarbeitenden Sektor in Rumänien unter Kontrolle zu bringen, ist in den Wäldern davon noch wenig zu merken. Ein Streifzug durch die Urwälder des Domogled-Nationalparks nördlich des einstigen k. & k.-Kurorts Baile Herkulane (Herkulesbad), in dem auch Kaiserin Elisabeth (Sisi) mehrfach auf Kur weilte, macht dies deutlich.

Auf einer Lichtung gleich neben einer breiten Forststraße liegt ein rund 350 Jahre alter Baum in Stücke geschnitten. Ein Holzarbeiter lässt seine Motorsäge liegen und den Lkw und den riesigen Holzeinbringungstraktor stehen und macht sich davon. Offenbar hat er kein Interesse, mit der ankommenden Delegation aus Vertretern der rumänischen Forstverwaltung Romsilva, Umweltaktivisten, dem grünen EU-Abgeordneten Waitz sowie österreichischen Journalisten zu sprechen.

Waitz ist entsetzt: "Warum nur wird ein 350 Jahre alter Baum gefällt", will er wissen, "und das in einem Nationalpark?" Die Vertreter der Forstverwaltung Romsilva haben eine Erklärung: Die Baumfällung sei Teil der Forstpflege gewesen. So werde der Wald stetig verjüngt und dadurch sei er gesünder. Der von den rumänischen Staatsforsten Romsilva bestellte Nationalparkdirektor Ioan Gaspar sagt dazu: "Der Wald will abgeholzt werden."

Der Steirer Waitz, selbst Biobauer und Forstwirt, ist mit diesen Erklärungen ganz und gar nicht einverstanden: "Was hier gemacht wird, wäre in einem Wirtschaftswald durchaus vernünftige Forstwirtschaft. Nur mit einem Nationalpark hat das nichts zu tun." Und ein derart alter Baum dürfe schon gar nicht gefällt werden, denn solche Bäume seien die ideale Behausung für bestimmte im Baum nistende Vogelarten und böten bestimmten Waldbewohnern in den Höhlen und Klüften des Baumes Unterschlupf. Dies wiederum nütze der Biodiversität des Waldes.

Der EU-Parlamentarier ist überzeugt, dass bei Romsilva das Profitstreben und eine effiziente Waldbewirtschaftung im Vordergrund stehen - und nicht die Pflege des Nationalparks. Nach Ansicht des Forstverwalters Dragos Mihai, der bei Romsilva für zwölf Nationalparks zuständig ist, sind die Abholzungen in der sogenannten Pufferzone des Parks absolut legal - die strengen Abholzungsverbote würden nur für die Kernzone des Nationalparks gelten, meinen die Romsilva-Vertreter.

Dorfidylle in Prisacina

Gabi Paun von der rumänischen Umweltorganisation Agent Green, die in der Vergangenheit immer wieder auf Umweltsünden im Nationalpark aufmerksam gemacht hat und die Machenschaften der rumänischen Holzmafia beobachtet, sieht das anders und verweist im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" darauf, dass nach den Regeln der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) mindestens 75 Prozent eines Nationalparks streng geschützt werden müssen. Die Nationalparkverwaltungen seien gesetzlich verpflichtet, "jegliche Formen der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und Landnutzung" auszuschließen, die mit Schutzzielen nicht vereinbar seien.