• vom 31.05.2018, 14:32 Uhr

Wald

Update: 31.05.2018, 18:27 Uhr

Umweltschutz

Das bedrohte Amazonien Europas




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Von Thomas Seifert aus Sibiu

  • Die letzten Urwaldparadiese in den rumänischen Karpaten sind durch die Holzmafia bedroht.

Urwaldparadies bei Câineni südlich von Sibiu. In Rumänien befinden sich die letzten großen Urwälder Europas. - © Thomas Seifert

Urwaldparadies bei Câineni südlich von Sibiu. In Rumänien befinden sich die letzten großen Urwälder Europas. © Thomas Seifert

Forstarbeiter nach der Arbeit.

Forstarbeiter nach der Arbeit. Forstarbeiter nach der Arbeit.

Sibiu. Die Sonne sticht durch die tief liegende Wolkenschicht und breitet einen Vorhang aus Licht über das wildromantische Urwaldtal. Die Grenzen zwischen Licht und Schatten sind scharf gezogen, das Spiel zwischen Hell und Dunkel ist so raffiniert, als führte der Chefbeleuchter des Burgtheaters die Lichtregie.

Ein magisches Schauspiel.


Im Tal hört man in der Ferne den Fluss rauschen, die feuchte Luft hat ein feines Waldduft-Aroma. Die Bäume an den Berghängen bieten mehr Grüntöne, als auf eine Farbskala passen, in das Rascheln der Blätter mischt sich ab und zu Vogelgezwitscher. Buchenwälder, so weit das Auge reicht, ein kleines Amazonien im Südosten des europäischen Kontinents.

Die pure Idylle.

Adalbert Stifter, der naturverbundene Meister der biedermeierlichen Naturdarstellungen, hätte die Landschaft, so wie in seinem Text "Der Hochwald", wohl als ein Gewimmel mächtiger und doch sanfter Joche und Rücken, die gegeneinanderschieben, beschrieben, hätte vom wogigen Hügelland geschwärmt, das strömende Bäche absendet. Christoph Ransmayr, dem Giganten der österreichischen Gegenwartsliteratur, wäre vermutlich die jäh abfallende Lichtung des Mischwaldes aufgefallen: "Alles ist, als ob es immer so gewesen wäre: menschenleer, still und halb in den Wolken. Sehr still", schreibt Ransmayr in einer Reportage über den Totengräber von Hallstatt.

Die Kirche im Ort Câineni.

Die Kirche im Ort Câineni. Die Kirche im Ort Câineni.

Doch dieses Tal der wildromantischen Idylle liegt im Herzen der rumänischen Karpaten, unweit von Sibiu (Hermannstadt), und ist rund 860 Kilometer von Hallstatt entfernt. Der nächstgelegene Ort heißt Câineni, und die Gegend in den rumänischen Südkarpaten ist viel menschenleerer, beschaulicher und stiller als die Gegend um Hallstatt, die ihre ransmayrsche Beschaulichkeit längst im Touristenrummel verloren hat. Das Tal - ein einzigartiges Naturjuwel - steht eigenartigerweise nicht unter Naturschutz, und nur der Abgeschiedenheit und dem schlechten Zustand der Straßen ist es zu danken, dass weit und breit kein knatternd-schriller Motorsägen-Lärm zu hören ist.

Holzverarbeiter unter Verdacht

Umweltprotest der rumänischen NGO "Agent Green".

Umweltprotest der rumänischen NGO "Agent Green". Umweltprotest der rumänischen NGO "Agent Green".

Der Wiener Umweltaktivist und Fotograf Matthias Schickhofer kämpft gemeinsam mit der Stiftung Euronatur dafür, dass in der Region ein Nationalpark entsteht und die Gegend unter strengen Schutz gestellt wird. Doch auch der Status als Nationalpark ist in Rumänien keine Schutzgarantie. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Vorwürfe, dass lokale Holzmafias illegal Holz aus Urwäldern und Naturschutzgebieten an die Sägewerke und Holzverarbeiter liefern.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-31 14:40:27
Letzte Änderung am 2018-05-31 18:27:16


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