Naturwald im Kamptal (Niederösterreich). - © Schickhofer
Naturwald im Kamptal (Niederösterreich). - © Schickhofer

Das Klimaabkommen von Paris sieht eine Reduktion der Emissionen bis 2050 auf de facto null vor. Wenn wir nun verstärkt Emissionen aus dem Verbrennen von Holz aus alten Wäldern produzieren, ist das bis 2050 nicht wieder rückgebunden. Man sollte da eher begrenzt schnell wachsende Energiewälder anbauen, aber die alten Wälder in Ruhe lassen. Oder mehr Holzabfälle für Bioenergie nutzen. Der Druck auf unsere letzten Urwälder nimmt vor allem in Osteuropa zu, besonders in Rumänien und der Ukraine. Die Urwälder schwinden dahin. Das ist derzeit die größte Naturschutzkrise in Europa.

Weil die alten, trockenen Bäume gut brennen? Ist da aber nicht zu wenig Biomasse enthalten?

Ein Grund, warum es diese Naturwälder noch gibt, ist, dass sie bisher wirtschaftlich uninteressant waren. Das alte Holz war nicht viel wert - und diese Wälder waren schwer zugänglich. Jetzt wird der Einschlag dort aber durch den Biomasse-Boom interessant, weil man auch dieses minderwertige Holz zu Geld machen kann. Und das ist gar keine gute Entwicklung. Der Klimaschutz sollte ja nicht den Naturschutz in die Enge treiben. Gut die Hälfte Österreichs ist bewaldet, und davon sind einige zehntausend Hektar in einem wirklich naturnahen Zustand. Ein Teil dieser Fläche ist aber nicht ausreichend geschützt und könnte jetzt unter die Säge geraten. Es sollte nicht zu einer Polarisierung zwischen Naturschützern und Waldbesitzern kommen. Im Gegenteil, es sollte ein Pakt für die Zukunft der Wälder geschlossen werden.

Ein weiteres Problem ist, dass es in vielen Wäldern aufgrund der Trophäenjagd zu viel Wild gibt. Das führt zu starken Verbissschäden.

Was kann man dagegen tun? Mehr jagen?

Ja, und weniger füttern. In Graubünden in der Schweiz wurde die Wildtierfütterung im Winter eingestellt. Einerseits, weil sich das Wild an den Futterstellen gegenseitig ansteckt, zum Beispiel mit Tuberkulose, die sich dann entsprechend ausbreitet. Ohne Fütterung ist das weit weniger der Fall, weil sich Wild dann kaum begegnet. Andererseits gibt es in der Schweiz eine wachsende Wolfspopulation, und die wird auch durch die Futterstellen angelockt. Es gibt Förster, die eine gewisse Sympathie für die Wölfe hegen, weil die dafür sorgen, dass das Wild mobiler wird und sich besser im Wald verteilt. Und ja, Experten sind sich einig, dass auch die Abschusszahlen erhöht werden müssen.

Damit machen Sie sich aber keine Freunde unter Tierschützern.

Das würde ich nicht einmal so sagen. Kritik richtet sich vor allem gegen die Kombination aus Zucht durch Fütterung und Abschuss zum Vergnügen. Am schlimmsten ist das in einem Jagdgatter. Den Wildbestand zu reduzieren stößt aber auf heftigen Widerstand durch einen Teil der Jägerschaft. Die sind auch mit der Politik gut vernetzt, wie man weiß. Manche Jagdgesellschaften sind ja Legende. Der Streit, ob Wald vor Wild gilt oder umgekehrt, ist nicht entschieden. Aber immerhin haben sich Jäger und Förster in Österreich ein mal darauf geeinigt, dass Wald vor Wild gelten muss. Die Umsetzung ist aber fraglich. In Deutschland zum Beispiel ist in der Biodiversitätsstrategie festgehalten, dass zehn Prozent des Staatswaldes sich selbst überlassen bleiben sollen, um dort den gesamten Waldentwicklungszyklus mit aller seiner Artenvielfalt zu ermöglichen.