Dagegen gibt es wilde Proteste. Viele Waldbesitzer wollen sich auch nicht in ihr Eigentumsrecht dreinreden lassen. Ich vermute, da gibt es auch eine psychologische Komponente. Es gibt aber ein öffentliches Interesse in Bezug auf den Naturschutz. Wie beim Denkmalschutz. Ich kann ja auch nicht einfach ein denkmalgeschütztes Schloss abreißen und stattdessen ein Einkaufszentrum hinstellen. Wir sollten unsere letzten verbliebenen Ur- und Naturwälder in Europa unter eine Art Denkmalschutz stellen und auf der übrigen Waldfläche naturnäher wirtschaften. Es braucht beides.

Was halten Sie von Gütesiegeln für die Waldwirtschaft?

In Deutschland gibt es das "Naturland"-Zertifikat für Biowald, das bekommen Waldbesitzer, die zehn Prozent ihres Waldes sich selbst entwickeln lassen und nach dem Prinzip Dauerwald wirtschaften. In Österreich ist danach noch kein einziger Wald zertifiziert worden. Hier dominiert das PEFC-Gütesiegel, das von der Forstwirtschaft selbst eingeführt wurde. Die Kriterien sind aber recht vage, und es gibt Kritik wegen mangelhafter Kontrollen. Es ist immer ein Problem, wenn eine Branche sich selbst Zertifikate ausstellt, weil man niemandem wehtun will und dem Mainstream folgt. Und es gibt das FSC-Siegel, das strengere Kriterien und mehr Kontrolle hat als PEFC. Doch NGOs wie Greenpeace kritisieren, dass die FSC-Regeln in vielen Ländern nicht einheitlich und ausreichend umgesetzt werden.

Wissenschafter melden, dass sich mit dem Klimawandel der Baumbewuchs in höhere Lagen ausbreitet - können Sie das nach Ihren Waldtouren bestätigen?

Ja, in den Alpen und den Karpaten sieht man, dass die Wälder nach oben wandern. Da wachsen plötzlich über die Baumgrenze hinaus relativ viele junge Lärchen oder Fichten. Mit Blick auf den Klimawandel sollte man aber nicht versuchen, in unseren Wäldern Exoten anzusiedeln. Die haben hier keine Pilzpartner im Boden, sind also anfällig. Stattdessen sollte man auf entsprechend geeignete heimische Bäume setzen. Wenn zum Beispiel wo eine Tanne oder eine Buche in einem naturfernen Fichtenwald steht, sollte man sie unbedingt stehen lassen und vielleicht sogar rundherum auslichten und schauen, dass sie sich weiter vermehrt.

Was hat Sie bei Ihren vielen Streifzügen durch Österreichs Wälder am meisten beeindruckt?

Es gibt auch in Österreich noch ein paar wenige echte Märchenwälder, wo Peter Jackson eine neue "Herr der Ringe"-Episode drehen könnte. Das sind Orte, an denen einem schon ein Schauer überkommt, wenn man zwischen diesen Jahrhunderte alten Lebewesen steht. Diese Wälder sind eine andere Welt, in der es einen starken Kontakt zur Evolution gibt, wenn man sich mit offenen Sinnen bewegt. Da gibt es gewaltige Bäume, die eine unheimliche Vielfalt an Besiedlung aufweisen. Eine wahre Explosion des Lebens. Diese Wälder gehören zu den letzten Orten, wo die ungezügelte Lebenslust der Natur nicht in die Schranken gewiesen wird. Ich finde es spannend, sich mit allen Sinnen auf diese nicht durch Menschen organisierte Welt einzulassen.

Gibt es auch in Wien Orte, an denen man das erleben kann?