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Advent

Update: 04.12.2012, 11:04 Uhr

Beschauliches Wiener Weihnachts-Grätzel




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Von Johann Werfring

  • Vor 25 Jahren wurde der bis heute bestehende "Altwiener Christkindlmarkt" ins Leben gerufen. Dessen Ideenvater war Jörg Mauthe, der Gründer des "Wiener Journals". Heuer wurde der nostalgische Markt an seiner Außenseite mit der längsten Krippe Österreichs verziert.

Künstlerin Dorothea Neudorfer und Krippen-Initiatorin Alexandra Holzer. - © Hannes Hochmuth/Verein der Freunde des Altwiener Christkindlmarktes / (C) Hannes Hochmuth

Künstlerin Dorothea Neudorfer und Krippen-Initiatorin Alexandra Holzer. © Hannes Hochmuth/Verein der Freunde des Altwiener Christkindlmarktes / (C) Hannes Hochmuth

Auf der Wiener Freyung wurden bereits im 18. Jahrhundert Christkindlmärkte abgehalten.

Auf der Wiener Freyung wurden bereits im 18. Jahrhundert Christkindlmärkte abgehalten.© Johann Werfring Auf der Wiener Freyung wurden bereits im 18. Jahrhundert Christkindlmärkte abgehalten.© Johann Werfring

Die Freyung in der Wiener Innenstadt, die ihren Namen jenem Umstand verdankt, dass das in dieser Umgebung angestammte Schottenkloster im hohen Mittelalter von der städtischen Gerichtsbarkeit befreit wurde, ist schon in alter Zeit ein Tummelplatz von Gauklern und Marktschreiern gewesen. Reges Marktleben auf der Freyung ist auch auf einem Ölbild des berühmten Künstlers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1722 bis 1780), dargestellt. Christkindlmärkte wurden auf der Freyung bereits in den Jahren 1772 bis 1841 abgehalten.

In der ersten Hälfte der 1980er Jahre kam der Schriftsteller und Kulturpolitiker Jörg Mauthe auf die Idee, einen beschaulichen Christkindlmarkt nach altem Vorbild ins Leben zu rufen. Mauthe hatte sich zu jener Zeit bereits als ausgesprochener "Wienfreak" einen Namen gemacht. Es war ihm ein Anliegen, bestehende und erhaltungswürdige Kulturwerte der Stadt zu schützen und den Bürgern deren Wert vor Augen zu führen. Mitten in der wachsenden Großstadt besann sich Mauthe auf die "kleinen Dinge" und propagierte die Kultur des Grätzels.



Die längste Krippe Österreichs auf der Wiener Freyung.

Die längste Krippe Österreichs auf der Wiener Freyung.© Johann Werfring Die längste Krippe Österreichs auf der Wiener Freyung.© Johann Werfring

Der erste Altwiener Christkindlmarkt fand schließlich 1987 - knapp zwei Jahre nach Mauthes Tod - auf dem Michaelerplatz vor der Hofburg statt. Im Zuge der Neugestaltung des Michaelerplatzes im Jahr 1992 wurde es notwendig, für den Altwiener Christkindlmarkt einen neuen Standort zu suchen, der schließlich mit der geschichtsträchtigen Freyung gefunden wurde, wo man sogar einschlägig an alte Traditionen anknüpfen konnte.


Wegen der besonderen Lage des Marktes musste dessen Rückseite (die Zwischenräume zwischen den Standln zur Straße hin) aus sicherheitstechnischen Gründen Jahr für Jahr mit Planken vermacht werden. Für dieses Erfordernis ließ sich Alexandra Holzer, Geschäftsführerin des "Vereins der Freunde des Altwiener Christkindlmarktes", heuer etwas Besonderes einfallen: Die Abschottung zur Straße hin bildet nun die längste Krippe Österreichs.

Die Idee entstand, nachdem 2010 im Tyrolia Verlag der Papierausschneidebogen "Meine Weihnachtskrippe" nach einer Vorlage des österreichischen Künstlers Josef Ritter von Führich (1800 bis 1876) herausgekommen war. Der Verein beauftragte nun die Wiener Künstlerin Dorothea Neudorfer und die SB & K Schildermanufaktur Wien mit deren Adaptierung für die Rückseite des Marktes auf der Freyung. Am 25. November 2011 wurde die 46 Meter lange Weihnachtskrippe enthüllt. Sie ist witterungsbeständig gestaltet und soll auch in den kommenden Jahren den Markt verschönern.

Alexandra Holzer hat ein Auge darauf, dass der Markt, wie schon in den vergangenen Jahrzehnten, als ein beschauliches Refugium erhalten bleibt und nicht zum Rummelplatz verkommt. "Er ist nicht nur eine weihnachtsmannfreie Zone, sondern auch eine berieselungsfreie Zone", sagt Holzer, die sich wieder um ein reichhaltiges Rahmenprogramm - mit vielen Highlights auch für Kinder - bemüht hat.

Warmes Essen bleibt am Altwiener Christkindlmarkt ausgespart, damit die Besucher nicht mit den entsprechenden Geruchsbelästigungen konfrontiert sind. Punschstandln wurden zwar zugelassen, jedoch sind diese dezent an den Rändern des Platzes situiert.

Plastik und sonstige synthetische Stoffe sind in den Standln nur rudimentär (etwa als Abdeckung von Lebensmitteln) anzutreffen, wohingegen bei den feilgebotenen Produkten Naturmaterialien absolut im Vordergrund stehen. Unter den 53 Standlern gibt es auch echte Originale, etwa den leutseligen Chef des unter dem Namen "Wiener G’schichten" firmierenden Gugelhupfstandls oder den kinderfreundlichen und schauspielerisch begabten Inhaber der "Nostalgischen Papierwerkstatt". "Viele haben mittlerweile kopiert, was wir hier machen", sagt Alexandra Holzer und freut sich über die treuen Besucher, denen die einzigartige Aura des Altwiener Christkindlmarktes längst ans Herz gewachsen ist.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2011-12-01 11:39:16
Letzte Änderung am 2012-12-04 11:04:31



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