Mit einer App musikalisch durch die "Stille Nacht"

Doch nicht nur die Orte des gemeinsamen Singens haben sich gewandelt und sind öffentlicher geworden, auch das Weihnachtslied selbst ist längst im digitalen Zeitalter angekommen. Neben diversen CDs und YouTube-Videos mit Playback-Aufnahmen bekannter Weihnachtslieder zum Mitsingen gibt es mittlerweile auch eine Vielzahl entsprechender Apps. Sie eignen sich sowohl zum Üben als auch als Hilfsmittel, um fehlende Mitsänger oder Instrumentalisten am Heiligen Abend zu kompensieren. Auch eine Aufnahmefunktion haben viele dieser Programme. Dabei kann man selbst eine oder mehrere Stimmen einsingen, digital mischen und sich dann selbst zu Fest vorspielen - und als hochmodernes wie individuelles Geschenk an die Großmutter oder den fernen Onkel verschicken.

Auch wenn das Resultat ähnlich scheint, von der Funktion unterscheiden sich diese digitalen Angebote grundsätzlich von den analogen. "Das Tempo ist bei diesen Aufnahmen immer fix vorgegeben", streicht Irene Egger die Unterschiede hervor: "Diese Aufnahmen geben Power und stützen unerfahrene Sängerinnen und Sänger, das Zuhören als Schlüssel zum gemeinsamen Musizieren fördern sie jedoch nicht."

Doch selbst in Zeiten größerer Veränderungen gibt es Konstanten. Beim Thema Weihnachtslieder ist es das Beliebtheitsranking. Im deutschsprachigen Raum führt seit Jahren der Klassiker "Stille Nacht, Heilige Nacht" alle Listen an. In einer Umfrage des Volksliedwerkes anlässlich des 200. Geburtstages des Liedes begründeten Befragte ihre Wahl damit, dass das Hören und auch das Singen dieses Stückes "eine eigene Stimmung erzeugt", "die Melodie berührt" und es "festlich wirkt". In einem Großteil der befragten Familien ist das Lied selbst neben dem Baum zentraler Bestandteil des Weihnachtsabends - und sei es nur, um die Kinder vor dem Auspacken der Geschenke in Geduld zu üben.