"Am Freitag um 11 Uhr hat es geheißen: Am Montag ist Schluss. Da hatten wir schon die Hälfte der gesamten Standgebühr bezahlt. Die zweite wäre am 30. November fällig gewesen, konnten wir aber nicht bezahlen, da wir noch auf den Großteil der Förderungen vom Jahr 2020 warten", erzählt Thomas Schreiber. Der Familienvater, der einen Stand mit Tiroler Kiachl, eine Art Bauernkrapfen, auf dem Weihnachtsmarkt vor der Karlskirche betreibt, hatte heuer somit bisher nur drei Tage offen: von 19. bis 21. November. Denn am 22. November begab sich Österreich in seinen vierten, für drei Wochen ausgerufenen Lockdown.

Dieser endet für die Wiener Weihnachtsmärkte mit 2G-Regel und FFP2-Maskenpflicht zwar am Sonntag, heißt es aus dem Büro des Bürgermeisters Michael Ludwig (SPÖ), wobei bei den Punsch- und Essensständen bis zur geplanten Gastroöffnung am 20. Dezember zumindest Take Away erlaubt sein soll. Ein Teil des Umsatzes des Standbetreibers ist aber dennoch weg.

Die Vorjahressaison ist komplett ausgefallen. Heuer sei es durch das Unstete und die Ungewissheit noch schlimmer, noch weitreichender, sagt Schreiber, der von Beruf Versicherungsmakler ist. "Wir verkaufen ja Lebensmittel. Die Eier, Milch und Hefe, die wir vorbestellt hatten, das mussten wir alles wegwerfen."

Seit 15 Jahren betreiben Schreiber und seine Frau Johanna nun den Stand mit der Tiroler Spezialität, die eigentlich ein Stück Germteig ist, das im heißen Fett herausgebacken wird. Je nach Geschmack kann man sie mit Zucker, mit Preiselbeermarmelade oder auch pikant mit Sauerkraut füllen. "Viele sagen, sie kommen nur wegen uns", sagt Schreiber. Die Gastronomie des gesamten Marktes bietet ausschließlich Bio-Produkte an.

Zehn Jahre lang auf Standplatz gewartet

In all den Jahren, in denen er jede Adventzeit zwischen der klirrenden Kälte des Marktes und dem dampfenden Fett verbracht hat, habe er jedenfalls eine gewisse Stammkundschaft aufgebaut. Davor habe er zehn Jahre lang darauf gewartet, dass ein Standplatz frei wird. "Als es so weit war, ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Im Stand steckt so viel Herzblut drinnen."

Die aktuelle Covid-19-Pandemie ist nun nicht nur für die Standbetreiber schwierig. Auch der gemeinnützige Kunsthandwerker-Verein Divina Art, der seit 28 Jahren hinter der Organisation des Weihnachtsmarktes am Karlsplatz steckt und als Bindeglied zwischen Stadt und Standbetreiber fungiert, hat seine Ausgaben - und seinen Aufwand, der heuer trotz beziehungsweise wegen des Lockdowns besonders hoch war.

"Zuerst, als es geheißen hatte, dass Adventmärkte mit 3G-Regel, Bändervergabe und Kontrollen stattfinden dürfen, haben sie ein Covid-19-Präventionskonzept ausgearbeitet und Zäune aufgestellt. Dann war wieder alles anders", sagt Schreiber. Vor allem für den Verein, der eigentlich auf Kunsthandwerk spezialisiert ist, eine Herausforderung. Denn für den Weihnachtsmarkt plant man normalerweise ein ganzes Jahr.

Fürs Öffnen mit frisch zubereitetem Teig gerüstet

Was Schreiber jedenfalls nicht nachvollziehen könne, sei, dass der Würstelstand ein paar Meter neben seiner Hütte durchgehend offen hatte. "Wir machen ja auch nichts anderes, als im Freien Speisen zu verkaufen."

Und wie waren die drei Tage, die die Hütte auf dem Weihnachtsmarkt bisher offen war? "Die waren dringend notwendig", sagt Schreiber. Fürs erneute Öffnen sei man auch bereits gerüstet: Mit neuen Eiern und frisch zubereitetem Teig.