Weihnachten rückt näher, und es ist an der Zeit, sich um den Baum zu kümmern. Wer nicht bereits einen im Baumarkt oder Gartencenter besorgt hat, kann direkt zum Bauern fahren und sich vor Ort seine Nordmanntanne oder Blaufichte aussuchen. Das Betretungsverbot laut 5. Covid-19-Notmaßnahmenverordnung gilt in dem Fall nicht. Und so herrscht auf den Höfen der Christbaumbauern Hochbetrieb. Bäume werden gefällt, eingepackt und zu den Verkaufsstellen gebracht, Stammkunden holen sich "ihren" Baum ab.

Von den rund 2,8 Millionen Christbäumen, die hierzulande jährlich aufgestellt werden, stammen 2,5 Millionen aus Österreich, von denen wiederum allein 1,1 Millionen in Niederösterreich produziert werden.

Importware hauptsächlich aus Dänemark

Importierte Bäume kommen in erster Linie aus riesigen Monokulturen in Dänemark, weiß der Waldviertler Christbaumbauer Franz Raith. Er ist Obmann der Arbeitsgemeinschaft der Niederösterreichischen Christbaum- und Schmuckreisigproduzenten. Deren Mitglieder versorgen ab 12. Dezember auch Wien wieder an über 100 Verkaufsstellen mit Christbäumen. Über 60 Prozent der Wiener kaufen ihren Baum beim "Standler", 20 Prozent im Großmarkt, 15 Prozent bei Christbaumbauern in Niederösterreich.

54,4 Prozent der österreichischen Anbauflächen für Christbäume entfallen auf Niederösterreich, gefolgt von der Steiermark mit 16,9 Prozent und Oberösterreich mit 10 Prozent. "Die schönsten Bäume kommen aus Niederösterreich", sagt Raith im Brustton der Überzeugung zur "Wiener Zeitung". Damit sie so schön sind - also gerade gewachsen und mit dichtem, regelmäßigem Nadelkleid - und Abnehmer finden, müssten die meisten konventionellen Christbaumbauern auch in begrenztem Ausmaß Pflanzenschutzmittel einsetzen. Die Bäume seien aber deshalb nicht giftig und würden keinerlei gesundheitliches Risiko darstellen, betont Raith. Als ökologische Unkrautvernichter würden immer öfter englische Shrop-Shire-Schafe zum Einsatz kommen.

Vereinzelt werden hierzulande auch Christbäume aus biologischer Landwirtschaft angeboten, bei deren Aufzucht und Pflege keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und kein Kunstdünger verwendet werden darf. Eine einheitliche Kennzeichnung für Bio-Christbäume gibt es jedoch nicht.

Und auch Bio-Christbäume haben in der Regel ein kurzes Leben. Dass Jahr für Jahr eine riesige Menge an Bäumen, die zum Wachsen viele Jahre benötigen, umgeschnitten und zwei Wochen nach dem Fest entsorgt werden, wird von vielen als Riesen-Verschwendung angesehen. Es müsse aber niemand, der zu Weihnachten gerne einen Christbaum hat, ein schlechtes Gewissen haben oder sich gar als Umweltsünder fühlen, sagt Lisa Panhuber von Greenpeace Österreich. Es gebe aus Umweltsicht viele andere Dinge, die jetzt viel wichtiger wären, etwa die Änderung des Mobilitätsverhaltens, betont sie.

Dennoch: Die grüne Weihnachtspracht sollte zumindest aus Österreich stammen und nicht aus einer dänischen Monokultur, so Panhuber. Als Alternative zur geschlägerten Tanne oder Fichte bieten sich auch "lebende" Christbäume in Töpfen an. Diese sollten aber von regionalen Anbietern stammen, damit keine langen Transportwege anfallen. Bei ihnen ist zu beachten, dass sie besonders gut gepflegt werden müssen, damit sie nach Weihnachten wieder in der Natur eingepflanzt werden und bis zum nächsten Weihnachtsfest weiterleben können.

Kurze Transportwege schonen das Klima

Ein Baum aus der Region, der frisch geschnitten wurde, spare unnötig lange Transportwege und schone dadurch das Klima. Der Weg eines Christbaums vom Feld zum Verkaufsstand beträgt laut Daten der Arbeitsgemeinschaft in Niederösterreich durchschnittlich 40 Kilometer. Christbäume aus intensiv bewirtschafteten Kulturen wie etwa aus dem rund 1.300 Kilometer weit entfernten Dänemark würden hingegen oft schon Anfang Oktober geschnitten und bis zum Transport in Kühlhäusern gelagert.

Der Christbaumanbau ist auch ein nicht unbedeutender Wirtschaftsfaktor in Niederösterreich. Rund 1.000 Personen sind bei Ernte und Verkauf in den Christbaumkulturen tätig. Die Wertschöpfung in der Region beläuft sich auf rund 22 Millionen Euro. Das wichtigste Nebenprodukt der Christbaumproduktion ist Reisig. Die rund 20 bis 30 Prozent der Christbäume, die sich nicht zum Verkauf eignen, werden so verwertet. Das stellt für 67 Prozent der Betriebe eine zusätzliche Einkommensquelle dar.

Wer trotzdem heuer einen Weihnachtsbaum "retten" will, könnte auch den Versuch starten, einen selber zu basteln, schlägt Lisa Panhuber vor.