Morgen, Kinder, wird’s was geben - nämlich wieder viele Leichen. Auch heuer ist der Gabentisch reich gedeckt für Krimi- und Thriller-Fans. Diverse Autorinnen und Autoren im In- und Ausland haben wieder mörderische Weihnachts- und Wintergeschichten geschrieben.

Zwölf tödliche Kurzgeschichten

Die "Queen of Crime" legt ihre erste Weihnachtsanthologie vor: Val McDermid erzählt in "Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte" zwölf Kurzgeschichten mit Schauplätzen wie St. Petersburg, Sarajevo oder den schottischen Highlands. Neben dem titelgebenden Mädchen kommt zum Beispiel auch ein Autor vor, den der Geist eines neidischen Co-Autors verfolgt (wie ist der wohl zu Tode gekommen?). In einer anderen Geschichte übt eine Witwe Rache. Natürlich dürfen auch McDermids Serienermittler Tony Hill und Carol Jordan nicht fehlen. Und selbst der berühmteste aller Meisterdetektive hat einen Auftritt: Sherlock Holmes soll am Weihnachtsabend den wahren König Schottlands finden.

Val McDermid: Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte Droemer; 272 Seiten; 18,50 Euro
Val McDermid: Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte Droemer; 272 Seiten; 18,50 Euro

Val McDermid: Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte
Droemer; 272 Seiten; 18,50 Euro

Ein mörderischer Adventkalender

Gleich 24 deutschsprachige Autorinnen und Autoren versammelt der Verlag Knaur in seinem mörderischen Adventkalender "Wichtel, Wunder, Weihnachtsmord". Jeden Tag einen Krimi von Kiel bis Wien liefern unter anderen Mechthild Borrmann, Regine Kölpin, Andreas Eschbach, Thomas Kastura, Thorsten Kirves, Iny Lorentz oder Ben Tomasson. Diese Zusammenstellungen haben schon Tradition bei Knaur, und auch heuer haben die Herausgeberinnen Joëlle Stüben und Anne Verhoeven wieder zwei Dutzend besonders g’schmackige Mordsgeschichten zusammengetragen.

Joëlle Stüben und Anne Verhoeven (Hg.): Wichtel, Wunder, Weihnachtsmord
Joëlle Stüben und Anne Verhoeven (Hg.): Wichtel, Wunder, Weihnachtsmord

Joëlle Stüben und Anne Verhoeven (Hg.): Wichtel, Wunder, Weihnachtsmord
Knaur; 425 Seiten; 12,40 Euro

Morbides aus dem Jahre Schnee

Ebenfalls zwölf Weihnachtsgeschichten mit einem Hauch von Tod liefert Sebastian Zach. Der gebürtige Leobener lebt heute als Schriftsteller in Wien seinen Hang zum Morbiden ebenso auslebt wie seine Liebe zur Geschichte. Und so spielen auch die Kurzgeschichten in "O Tannengrauen" vor hundert und mehr Jahren, in einer Zeit also, als die Winter in Wien (und nicht nur dort) nicht nur bitterkalt und verschneit waren, sondern als man auch noch nicht einfach den Thermostat ein bisserl höherdrehen oder sich unter die heiße Dusche stellen konnte, wenn man fror. Grauenhaft in mehrerlei Hinsicht.

Bastian Zach: O Tannengrauen
Bastian Zach: O Tannengrauen

Bastian Zach: O Tannengrauen
Gmeiner; 283 Seiten; 14 Euro

Historische Serienmorde im Advent

Und gleich noch einmal Bastian Zach. Der Autor hat nämlich auch einen neuen Band seiner "Donaumelodien"-Reihe geschrieben, der just mit einem grotesk zugerichteten Toten beginnt, der am ersten Advent an einer Laterne vor dem Wiener Stephansdom hängt. Und es wird nicht das letzte Opfer sein. Geisterfotograf Hieronymus Holstein und sein Freund, der "bucklige Franz", sehen sich einer ganzen Mordserie gegenüber. Und während die Wiener sich vor einem Jäger der Untoten fürchten, jagt Hieronymus einen Mörder aus Fleisch und Blut. Autor Bastian Zach taucht mit seinen Lesern ein ins Jahr 1876 und zeichnet einmal mehr ein recht plastisches Bild vom Leben in den unteren Schichten zu Zeiten der Habsburgermonarchie.

Bastian Zach: Donaumelodien - Leichenschmaus Gmeiner; 316 Seiten; 14 Euro
Bastian Zach: Donaumelodien - Leichenschmaus Gmeiner; 316 Seiten; 14 Euro

Bastian Zach: Donaumelodien – Leichenschmaus Gmeiner; 316 Seiten; 14 Euro

Im Frauenhaus statt zwischen Lavendelfeldern

Gesellschaftlich relevante Themen bearbeitet auch Ingrid Walther in "Madame Beaumarie und der Winter in der Provence": Die titelgebende Florence Beaumarie ist der Einladung ihres Freundes Charles Florentin gefolgt, um über Weihnachten in der Provence die Seele baumeln zu lassen. Doch statt zwischen idyllischen Lavendelfeldern findet sich die pensionierte Pariser Kommissarin plötzlich im örtlichen Frauenhaus wieder, wo sie einen Mordfall aufklärt. Außerdem wird die Familie des befreundeten Ortspolizisten bedroht. Eine Rolle im Fall spielen auch noch Rassismus, Islamophobie, das koloniale Erbe Frankreichs samt der daraus resultierenden historischen Schuld und die Frage, wie es um Ökologie und Menschenrechte in der Modebranche steht.

Ingrid Walther: Madame Beaumarie und der Winter iin der Provence Gmeiner; 411 Seiten; 18,50 Euro
Ingrid Walther: Madame Beaumarie und der Winter iin der Provence Gmeiner; 411 Seiten; 18,50 Euro

Ingrid Walther: Madame Beaumarie und der Winter in der Provence
Gmeiner; 411 Seiten; 18,50 Euro

Keine "Stille Nacht" im Waldviertel

Wenn Maria Publig einen Krimi schreibt, dann kann man sicher sein: Es gibt nicht nur einen Mord, den ihre Protagonistin, die vor dem Wiener Trubel ins Waldviertel geflüchtete PR-Agentin Walli Winzer, besser aufklärt als der Dorfpolizist (der allerdings mit jedem neuen Buch besser wegkommt als zu Beginn der Krimireihe), sondern es wird auch ein gesellschaftlich relevantes Thema bearbeitet. Und so dient ihr die Enthauptung eines Hobby-Weihnachtsmannes im örtlichen Sägewerk als Vehikel, anhand des Waldviertels und seiner Bewohner im Kleinen die Welt im Großen zu betrachten. Und mit dem Lied "Stille Nacht", das bei dem sechsten Fall von Walli Winzer eine besondere Rolle zu spielen scheint (der Tote bewachte das Original in einem Waldviertler Safe, und Walli soll zudem eine globale Friedensausstellung zur Wirkungsgeschichte des Liedes gestalten), bringt Publig auch noch ein weltberühmtes Kulturgut ins Spiel.

Maria Publig: Stille Nacht, keiner wacht Gmeiner; 249 Seiten; 15,50 Euro

Maria Publig: Stille Nacht, keiner wacht Gmeiner; 249 Seiten; 15,50 Euro

Maria Publig: Stille Nacht, keiner wacht
Gmeiner; 249 Seiten; 15,50 Euro

Ein Dorf voller Verdächtiger zu Neujahr

Weihnachten ist vorbei, jetzt wird Silvester gefeiert. Und im Dorf Cwm Coed an der englisch-walisischen Grenze begrüßt man das neue Jahr traditionell mit einem Sprung in den See, an dem Rhys Lloyd für seine neureichen (und bei den Walisern unbeliebten) Gäste aus England die Silvesterparty des Jahres schmeißt - doch am Ende treibt der Gastgeber tot im Wasser, und das Ermittlerduo Ffion Morgan und Leo Brady, das sich selbst erst zusammenraufen muss und von ungelösten Problemen aus der Vergangenheit verfolgt wird, sieht sich am 1. Jänner lauter Verdächtigen gegenüber. Bestseller-Autorin Clare Mackintosh, die selbst zwölf Jahre lang bei der britischen Kriminalpolizei tätig war, entwickelt aus dem Ertrinken einer unbedeutenden lokalen Berühmtheit einen Krimi, der sich langsam anschleicht und dann immer intensiver wird. "Die letzte Party" ist der gelungene Auftakt zu einer neuen Krimireihe.

Clare Mackintosh: Die letzte Party Knaur; 496 Seiten; 16,50 Euro
Clare Mackintosh: Die letzte Party Knaur; 496 Seiten; 16,50 Euro

Clare Mackintosh: Die letzte Party
Knaur; 496 Seiten; 16,50 Euro

Gefangen im antarktischen Winter

Weiße Weihnachten sehnen viele bei uns herbei, mit genügend Schnee zum Rodeln. Mehr als genug - um nicht zu sagen: zu viel - Schnee und Eis um sich herum hat die Notärztin Kate North, die es auf eine UN-Forschungsstation in der Antarktis verschlägt. Sie ersetzt einen zu Tode gekommenen Arzt und denkt zunächst nicht über diesen Umstand nach. Zu sehr ist sie mit ihrem eigenen Leben beschäftigt, dem sie hier, im ewigen Eis, entflieht. Doch dann wird die dreizehnköpfige Crew vom antarktischen Winter eingeschlossen, und die monatelange Dunkelheit drückt nicht nur aufs Gemüt, sondern bringt förmlich menschliche Abgründe ans (künstliche) Licht. Denn Jean-Lucs Tod war offenbar kein Unfall, und Kate stellt fest, dass es gefährlich werden kann, zu viele und zu neugierige Fragen dazu zu stellen. Emma Haughton, die bisher Sach- und Jugendbücher geschrieben hat, legt hier ihren ersten Thriller für Erwachsene vor. Und der Titel "The Dark" könnte treffender nicht sein.

Emma Haughton: The Dark Knaur; 398 Seiten; 16,50 Euro
Emma Haughton: The Dark Knaur; 398 Seiten; 16,50 Euro

Emma Haughton: The Dark
Knaur; 398 Seiten; 16,50 Euro