Parallel zu diesem Trend zur Massenware bemerkt Smodics-Neumann allerdings schon die gegenläufige Rückbewegung hin zur individuellen Christbaumkugel. "Das Kunsthandwerk ist noch ein zartes Pflänzchen, aber es wächst und gedeiht." Wer etwas Außergewöhnliches haben möchte, stöbere auf Adventmärkten danach.

Einer aktuellen GfK-Umfrage zufolge erfahren der über Jahre gesammelte Schmuck und die Wachskerze einen Aufwärtstrend. 84 Prozent der Befragten schmücken demnach zu Weihnachten einen Baum. Farblich dominieren Rot und Gold.

Aber seit wann gibt es eigentlich diese Tradition? Wann wurde der Christbaum erfunden? Zuerst fand Weihnachten noch ohne Baum statt. Bis ins 14. Jahrhundert wurde es um einen Tag später, am 25. Dezember, zelebriert. Auch im 18. Jahrhundert fand die Mette in den Morgenstunden des Christtages statt, erst allmählich rutschte sie gen Abend des 24. Dezembers. Zum kirchlichen Feiertag im deutschen Sprachraum hatte sich der 25. Dezember bereits ab 813 etabliert. Ursprünglich war es ein Fest der Heiden, die an diesem Tag die Wintersonnenwende feierten und den Sonnengott "Sol invictus" huldigten.

Die Christen verlegten das Fest der Geburt Jesu Christi von 6. Jänner vor - und schmückten den 24. Dezember in weiterer Folge mit dem Symbol des Lebens, einem Baum. Der erste Beleg eines Weihnachtsbaumes ist auf einem Kupferstich des deutschen Malers Lucas Cranach der Ältere aus 1509 zu sehen. Früher baumelten die Christbäume mitunter von der Decke, um Platz zu sparen.

Salonfähig wurde der Christbaum erst durch Henriette von Nassau, die aus Deutschland stammende Gattin von Erzherzog Karl, die 1816 den ersten, mit Kerzen geschmückten Baum nach Wien brachte. Erst ahmte der hohe Adel, dann das hohe Bürgertum und schließlich jede einzelne Familie dieses deutsche Brauchtum nach. Seit dem 20. Jahrhundert ist der Christbaum fixer Bestandteil des Weihnachtsfestes.

"Kugeln" bis heute ein Lehrberuf


Zuerst hingen Äpfel, Nüsse und Lebkuchen von dessen Zweigen. Später Kreationen aus vergoldetem Papiermaché. Mit der industriellen Revolution, die im späten 18. Jahrhundert ihren Ausgang nahm, hielt die Fabriksware in den Weihnachtskult Einzug. Glaskugeln wurden schon länger geblasen, das "Kugeln" ist bis heute ein Lehrberuf. Dass Christbaumkugeln, wie wir sie heute kennen, dazu gehören, ist aber einer Erfindung im Jahr 1848 in Lauscha in Thüringen zu verdanken. Damals verspiegelte man erstmals die Innenseite von Glaskugeln und tauchte die Außenseite in Farbe - und die Kugeln verliehen dem Christbaum fortan einen geheimnisvollen Glanz.

Wurde anfangs noch die äußerst ungesunde Kombination aus den Schwermetallen Zinn und Blei zum Verspiegeln verwendet, ersetzte man diese im späten 19. Jahrhundert durch eine Silberlösung. Zuerst griff die nordböhmische Glasindustrie dieses Verfahren auf, nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Thüringen zu einem weiteren Zentrum der Christbaumkugel-Industrie. Und heute ist es China.