Wien. Schneor Zivion rührt Teig, viel Teig. Am Mittwochabend beginnt das achttägige Chanukka-Fest, das jüdische Lichterfest, und da ist es Brauch, Krapfen zu essen, die man auf Hebräisch Sufganjot nennt. Zivion, der die süßen Kreationen seiner Patisserie "Pains et chocolat" ("Brot und Schokolade") bisher nur lieferte, verkauft diese nun auch in einem Geschäft in der Taborstraße 24.

Der Unterschied zwischen den Krapfen einer herkömmlichen Bäckerei und seinem koscheren Gebäck? "Meine Sufganjot sind natürlich handgemacht. Ich verwende keine Butter und keine Milch, sondern Öl. Und ich backe sie auch nicht in der Fritteuse heraus. Ich schiebe sie in den Ofen. So sind sie viel weniger fett, Krapfen light sozusagen."

Das ist allerdings Zivions ganz persönlicher Zugang, der in seinen Rezepten insgesamt auf Bio-Zutaten, wenig Fett und Zucker setzt. Denn ansonsten geht es zu Chanukka gerade um besonders ölhaltige Speisen. Wobei Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister betont: "Das ist weniger religiöses Gebot als vielmehr Brauch." Ein Brauch, der sich auf die Geschichte des Festes bezieht: Zu Chanukka erinnert man sich an die Wiedereinweihung des Zweiten Tempels in Jerusalem vor mittlerweile 2177 Jahren.

Dem vorausgegangen war naturgemäß eine Entweihung, und zwar durch die Griechen beziehungsweise die Hellenisten, all jene also, die sich dieser Ideologie verschrieben hatten. Die Idee des Hellenismus sollte sich überall durchsetzen, daher wurde das Judentum auf der spirituellen Ebene bekämpft - und im Tempel statt des jüdischen Ritus der Zeus-Kult durchgeführt.

Ähnliche Konflikte hat das Judentum in den vergangenen 2500 Jahren immer wieder erlebt, erzählt Rabbiner Hofmeister. "Damals war es der Hellenismus. Heute ist es der Säkularismus, also das Bedürfnis von manchen Teilen der Gesellschaft, gegen Religion vorzugehen, Spiritualität durch andere Ideen zu ersetzen, die man als Rationalismus verkauft - was es aber nicht ist."

Spürbar werden diese Tendenzen heute beispielsweise durch Rufe nach Schächt- und Beschneidungsverbot, wie sie in Europa immer wieder zu hören sind. "Was der Hellenismus und der heutige Säkularismus sicher auch gemeinsam haben, ist der Anspruch auf allgemeine Gültigkeit", meint der Rabbiner.

Und plötzlich wurde Licht


Damals, zur Zeit des Zweiten Tempels, gelang es einer kleinen Gruppe frommer Juden, den Makkabäern, die eigentlich im Kampf nicht erprobt waren, sich gegen die Hellenisten durchzusetzen. So viel zum ersten Wunder. Das zweite Wunder erklärt, warum Öl bei diesem Fest heute eine zentrale Rolle spielt: Der Tempel war wieder eingeweiht, die Menora, der siebenarmige Leuchter, wurde angezündet, doch man hatte nur noch Olivenöl für einen Tag. Und das Herstellen von Öl nahm mehr Zeit in Anspruch. Dennoch brannte der Leuchter acht Tage - bis neues Öl produziert war.