Weihnachten im Erzgebirge zu Beginn de 19. Jahrhunderts. In einem kleinen, verschneiten Dorf wartet man vergeblich auf den Händler, der die vielen Schnitzereien, mit denen die Bewohner sich ihr Überleben im Winter zu sichern erhofften, nach Dresden zum berühmten Striezelmarkt bringt. Und weil der Vater sich bei einem Unfall schwer verletzt und auch nicht aufbrechen kann, beschließt der 15-jährige Martin, seinen Schlitten zu beladen und sich auf eigene Faust in die ferne große Stadt durchzuschlagen.

Es wird das größte Abenteuer seines jungen Lebens - von Ralf Günther in einem Stil erzählt, der so sacht und still und prosaisch ist wie die winterlich verschneite Landschaft, die er beschreibt. Und natürlich wächst Martin über sich hinaus - und so kehrt, wie es die Mutter am Ende trefflich formuliert, die halbe Portion als ganzer Kerl ins Dorf zurück. Das Happy End zu verraten, ist in diesem Fall keine Untugend, weil man als Leser ohnehin schon nach der Lektüre des Klappentextes davon ausgegangen ist. Und es geht in dieser weihnachtlichen Wintererzählung auch vielmehr um den Weg, der dorthin führt. Und der ist wundervoll verschneit - und auch ein bisschen exotisch. Warum, das wird an dieser Stelle aber tatsächlich nicht verraten . . .

Ralf Günther: Das Weihnachtsmarktwunder
Kindler; 141 Seiten; 15,50 Euro