Auf die Arbeit von Tanja Thron hat das Coronavirus keine Auswirkung. Sie muss sich derzeit nicht mit Kurzarbeit, Homeoffice oder Notkinderbetreuung herumschlagen: Die Mutter einer vierjährigen Tochter erwartet ihr zweites Kind und ist in Mutterschutz. Der Entbindungstermin wurde für den Ostersonntag errechnet.

In Sachen Geburtsvorbereitung hat das Coronavirus sehr wohl eine Auswirkung. Die Schwangerschaftsgymnastik wurde abgesagt. Die Hebamme, die bei den auftretenden Schwangerschaftsbeschwerden mit Akupunktur Linderung verschafft, wurde angehalten, nur noch wirklich dringliche Dinge im persönlichen Kontakt zu machen. Und dazu die Sorge, dass die Station des eigentlich für die Entbindung vorgesehenen Donauspitals wegen einer Coronavirus-Infektion gesperrt ist und bis nach Ostern auch nicht geöffnet werden soll. Wo soll sie nun hin? Immerhin ist sie mit 41 Jahren, Schwangerschaftsdiabetes und einer Autoimmunerkrankung eine Risikopatientin, die nicht in jedem Krankenhaus die notwendige Behandlung bekommen kann.

Trotz all der Sorgen macht Thron im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" einen zuversichtlichen Eindruck. "Es hilft, sich zu informieren", meint sie. Auch, wenn es gar nicht so einfach ist, alle Informationen zu bekommen. "Mein erster Anruf bei der Corona Info Hotline am 11. März ist sehr zuvorkommend beantwortet worden." Im Falle von Wehen oder Blasensprung solle sie die Rettung bzw. den Krankentransport rufen, es werde ein Spital für sie gefunden.

"Schon am Freitag darauf hat es geheißen, sie sind für die Beantwortung solcher Fragen nicht zuständig, ich soll mich an den Wiener Krankenanstaltenverbund wenden." Mehrere weitere Anrufe im Donauspital und in anderen Spitälern folgten, die Unsicherheit bei allen Beteiligten war spürbar, doch es wird ihr immer wieder versichert, dass ein Krankenhaus gefunden werde.

Thron wundert sich, dass es keine zentrale Information für Patienten online gibt, wo man sieht, welche Ambulanzen, Stationen und medizinische Leistungen derzeit nicht mehr verfügbar sind - "so muss ich immer wieder die Hotline blockieren." Inzwischen konnte sie in Erfahrung bringen, dass sie aufgrund ihrer Vorerkrankungen in die Ambulanz in die Rudolfstiftung zur weiteren Behandlung kommen kann.

Zumindest die Informationen über das Virus werden umfassender. So weiß Thron inzwischen, dass sie das Ungeborene nicht anstecken könnte, wenn sie erkranken sollte. Und weil sie nun nur noch ganz dringende Termine direkt vor Ort absolvieren soll, muss sie nicht mehr alle zwei Wochen in die Ambulanz fahren, um ihre Zuckerwerte und den Blutdruck bestimmen zu lassen, sondern kann die Werte per Mail an die Ambulanz weitergeben: "Das ist so viel stressbefreiter als vorher."

Und wer weiß, vielleicht pfeift auch das Baby auf den Stress durch das Coronavirus und wartet mit dem Zur-Welt-Kommen die Ausgangssperre einfach ab.