"Ich darf nicht in die Schule gehen", sagt Markus Hauptmann. Und wer ihn näher kennt, weiß, wie weh ihm das tut. Denn der Volksschullehrer, der im Nebenberuf Kabarettist ist, vermisst die Kids jetzt schon, Online-Videokonferenzen hin oder her. Als Vater einer Tochter im letzten Kindergartenjahr kennt er beide Seiten des Bildungssystems, was er auch in seinen Kabarettprogrammen immer wieder aufgegriffen hat. Sein letzter Auftritt war am 12. März: "Damals war schon klar, was da alles kommen wird. Das hatte schon etwas Gespenstisches", erzählt er. "Ein kollektives letztes Lachen für lange Zeit, ein bisserl wie die Musiker auf der ‚Titanic‘. Und noch dazu war es in so einem ganz alten Theater, das war eine ganz eigene Stimmung." Zwar wird gerade diskutiert, wie die Kulturszene nun bald wieder hochgefahren werden kann, doch er ist skeptisch: "Selbst wenn die Veranstalter wieder aufsperren, ist es fraglich, ob Leute kommen werden."

Er selbst hat ein neues Hobby gefunden: Wenn er nicht gerade seine Schüler via "Distance Learning" betreut und gemeinsam mit seiner Frau - ebenfalls Volksschullehrerin - aufs Töchterlein aufpasst, schreibt Hauptmann an seinen satirischen "geheimen Coronatapes", die er regelmäßig auf Facebook veröffentlicht. Das "sensationelle Feedback" hat ihn positiv überrascht. "Das Ganze macht mir selbst großen Spaß. Früher hab ich immer nur geschrieben, wenn ich ein neues Programm gemacht habe, jetzt mag ich diesen neuentdeckten Spaß ausbauen."

Das Homeschooling funktioniert aus seiner Sicht ganz gut. Er und seine Frau machen für ihre Klassen Lernvideos, geben Wochenpläne aus, die sie mit den Kindern via Internet besprechen: "Da freuen sich auch alle - Kids und Lehrer -, dass man einander wieder sieht." Auch, weil er als Bühnenmensch keine Scheu davor hat, sich selbst auch einmal zum Affen zu machen für seine Schüler.

Schwieriger ist es für seine Tochter, die alleine mit Mama und Papa daheim ist und ihre Kindergartenfreundinnen vermisst. Der Vater hofft trotz allem auf "einen coolen Abschluss im Kindergarten und auch einen tollen ersten Schultag, der ihr ein Leben lang positiv in Erinnerung bleibt". Er genießt jedenfalls die Zeit zu dritt, "auch wenn die Vorzeichen dafür eher ausbaufähig sind. Wir haben das große Glück, dass wir eine große Terrasse haben und gleich einen riesigen Wald samt Feld vor der Haustüre. Für Leute in Wohnungen ohne Balkon muss es ein Albtraum sein."

Welche Lehren zieht er aus der Corona-Krise? "Ich werde in Zukunft sicher keine ausgedehnten Shoppingtouren mehr machen. Man sieht jetzt, wie wenig man eigentlich wirklich braucht - außer beim Obi und McDonald’s." Zwei positive Dinge kann er trotz allem aus den vergangenen Wochen für sich mitnehmen, meint er: "Die Zeit mit meiner Familie; und die Tatsache, dass unsere Freiheiten nicht selbstverständlich sind - das sollten wir uns alle merken." Und was ist negativ? "Alles andere. Und zwar wirklich alles."