Der Kontrast der Arbeitsplätze könnte kaum deutlicher sein. Derzeit sitzt Sebastian Pfisterer in seinem Wohnzimmer - allein. Sonst arbeitet er in Messehallen und bei Veranstaltungslocations - unter tausenden Menschen.

Pfisterer ist einer von zwei Geschäftsführern der Firma ALC Eventsolutions, einer Dienstleistungsfirma, die seit 2015 Veranstaltungstechnik anbietet - also Ton, Licht, Video, Bühnenbau, von der Planung bis zur Abwicklung. Messen, größere Aufsichtsratssitzungen, Business-Events, Preisverleihungen wie die "Duftstars" und Musikfestivals wie "FM4 Unlimited" hat ALC so ausgestattet. Bis zum denkwürdigen Freitag, den 13., an dem die Maßnahmen der Regierung gegen die Corona-Pandemie in Österreich verkündet wurden. Wobei, zu dem Zeitpunkt hatte die Absagewelle ALC ohnehin schon längst mit Wucht getroffen: "Großveranstalter haben bereits Mitte Februar begonnen, Ersatztermine zu suchen. Die haben ja ein internationales Publikum, Messen hatten zum Beispiel das Problem, dass sie Aussteller aus Asien hatten, die wollten das Risiko nicht eingehen." Mittelgroße Veranstaltungen wurden großteils gleich ersatzlos gestrichen.

ALC musste also mangels jeglicher Aufträge den Betrieb wohl oder übel runterfahren, die zwölf Mitarbeiter wurden vorerst auf Zeitabbau geschickt, ab 1. Mai wird auf Kurzarbeit umgestellt. Kündigungen kamen für Pfisterer nicht in Frage. "Wir sind uns gerade unserer sozialen Verantwortung gerade in dieser schwierigen Zeit bewusst." Er rechnet freilich mit Umsatzverlusten in der Höhe von mehreren Millionen Euro bis September. Im September hofft er, dass sich die Auftragslage wieder bessert. Großveranstaltungen haben eine sehr lange Vorlaufzeit von drei bis sechs Monaten. Aber gerade jemand aus der Veranstaltungsbranche weiß, dass man mit Vorausplanung in Zeiten wie diesen wenig Meter macht. "September ist die optimistische Zeitrechnung", sagt Pfisterer.

Selbst dann kann das verlorene halbe Jahr aber nicht mehr aufgeholt werden. Nicht alle verschobenen Veranstaltungen werden im Herbst nachgeholt werden, weil es gar nicht so viele Tage, Locations und sonstige Ressourcen gibt.

Um dem erzwungenen Leerlauf doch etwas Gutes abzugewinnen, hat ALC eine Idee geboren: Die brachliegenden Dienstleistungen sollen karitativen Unternehmen zu Gute kommen, die Firma spendet sozusagen Infrastruktur und Logistik. Für Lebensmittellieferungen wurden sie etwa schon engagiert. Aber es gibt noch viele Möglichkeiten mehr: "Wenn jemand beispielsweise ein Starkstromkabel oder die Beleuchtungstechnik für ein Notquartierzelt braucht." Organisiert wird das bis auf weiteres im Wohnzimmer-Homeoffice.