Anders als in anderen europäischen Städten haben sie in Wien jedoch kaum Tradition. Die Hamburger Hafenstraße oder der Berliner Stadtteil Kreuzberg sind Symbole für politisch motivierten Aufstand. Und auch im letzten Jahrzehnt bildete sich dort immer wieder Widerstand gegen die Interessen privater Investoren und die Pläne der Stadt. So gingen in Hamburg Tausende Einwohner gegen Verkauf und Abriss des historischen Gängeviertels auf die Straße. Die Stadt sah sich nach monatelangen Protesten gezwungen die zuvor verscherbelten Häuserblocks wieder zurückzukaufen und den Bürgern zur Verfügung zu stellen. In Berlin verhinderten Bürgerinitiativen die Bebauung des ehemaligen Flughafens Tempelhof.

"Kaiserwiese für Alle!"

Doch je schneller die Stadt wächst, desto größer wird auch in Wien der theoretisch fundierte Widerstand gegen die Verbauung von Freiflächen und deren kommerzielle Nutzung. Die Aktivisten der Bürgerinitiative "Kaiserwiese für Alle!" sehen beispielsweise den Erholungswert der Kaiserwiese im Prater durch zu lange Veranstaltungen wie das "Wiener Wiesn"-Fest gefährdet. In ihrer Auffassung einer modernen Stadt sollte die Wiese vor dem Riesenrad ein konsumfreier Raum bleiben. Sie befürchten ihre Umwandlung in eine Veranstaltungsfläche zur Maximierung von Privatgewinnen. Laut Website der Initiative sei die Wiese nach der Veranstaltung wochenlang abgesperrt gewesen, weil der Rasen völlig zerstört war. Schnell waren 3.200 Unterschriften gesammelt und im Petitionsausschuss eingebracht.

Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Kaiserwiese ist zwar noch nicht gefallen, die Initiative hat jedoch medial großen Wirbel geschlagen. Und so rücken die neuen Bewegungen zumindest den Recht-auf-Stadt-Diskurs ins Licht der Öffentlichkeit und sensibilisieren die Bürger für die Probleme einer wachsenden Stadt. Der Kampf um den Erhalt von Freiräumen hat nun definitiv auch in Wien begonnen.