- © Judith Buss
© Judith Buss

Es gibt Theaterprojekte, die sich zu viel vornehmen und den eigenen Ansprüchen kaum mehr gerecht werden können. Ein Beispiel dafür ist das Festwochen-Gastspiel von Susanne Kennedys Version der "Selbstmord-Schwestern".

Das Stück basiert auf Jeffrey Eugenides gleichnamigem Roman. Sein 1993 erschienenes Debüt wurde ein Bestseller. Fünf Schwestern im Alter von 13 bis 17 Jahren gehen knapp nacheinander in den Freitod. Der Autor zeichnet ein abgründiges Gesellschaftsporträt der 1970er Jahre und belässt den Suiziden ihr schreckliches Geheimnis.

1999 verfilmte Sofia Coppola die Vorlage, auch ihr Debüt als Filmregisseurin sorgte für Furore. Die Regisseurin hob die Hölle des Heranwachsens in einem restriktiven Umfeld auf eine fast metaphysische Ebene.

Diesen ohnehin enigmatischen Stoff verrätselt die Theaterregisseurin noch mehr. Susanne Kennedy, eine der großen Nachwuchsstars der Branche, überfrachtet damit aber das ganze Unternehmen.

Versteckt hinter Masken, die mit Kulleraugen an Puppengesichter und Mangafiguren erinnern, bekleidet mit weißen Nachhemden, geschmückt mit bunten Blumenkränzen, stolzieren fünf Akteure im Theater Akzent auf der knallbunten Bühne (von Lena Newton) herum. Alles blinkt und leuchtet, als wäre der Bühnenraum Spielhölle und Altar zugleich. In diesem künstlichen Ambiente kommt es nicht zu herkömmlichen szenischen Interaktionen, vielmehr vollführen die Schauspieler die ganze Zeit über statische Rituale, ein Hochamt, dessen Sinn sich nicht wirklich erschließt.

Der Text wird, ein üblicher Regie-Coup von Kennedy, aus dem Off eingespielt. Das narrative Chaos setzt sich zusammen aus Romanpassagen, Zitaten des LSD-Papstes Timothy Leary und YouTube-Tutorials von Teenagern. Schließlich wird dem Ganzen noch das Tibetanische Totenbuch übergestülpt, eine hochkomplexe religiöse Schrift, die auf Erlebnisse der Seele beim Sterben und im Nach-Tod-Zustand eingeht. Noch Fragen? 90 Theaterminuten liefern keine Antworten.