• vom 19.06.2018, 14:00 Uhr

Wiener Festwochen

Update: 19.06.2018, 14:16 Uhr

Vertragsauflösung

Aus für Festwochen-Intendant




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Von Petra Paterno

  • Der Vertrag mit Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin wurde vorzeitig aufgelöst.

Mit nur zwei Ausgaben ist der 49-jährige Zierhofer-Kin wohl der kürzest amtierende Intendant der Wiener Festwochen.

Mit nur zwei Ausgaben ist der 49-jährige Zierhofer-Kin wohl der kürzest amtierende Intendant der Wiener Festwochen.© APAweb / Helmut Fohringer Mit nur zwei Ausgaben ist der 49-jährige Zierhofer-Kin wohl der kürzest amtierende Intendant der Wiener Festwochen.© APAweb / Helmut Fohringer

Es ist eine der ersten Amtshandlungen der neuen Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, und sie schlägt in das Wiener Kulturleben ein wie eine Bombe: Der Vertrag mit Tomas Zierhofer-Kin wird per 30. Juni 2018 einvernehmlich und vorzeitig aufgelöst.

Mit nur zwei Ausgaben ist der 49-Jährige damit wohl der kürzest amtierende Intendant der Wiener Festwochen, ursprünglich wäre sein Vertrag noch für drei weitere Jahre gelaufen. In einer gemeinsamen Aussendung erklärt Zierhofer-Kin: "Ich habe diesen Vorschlag der Kulturstadträtin unterbreitet, da ich trotz vieler künstlerischer Erfolge und der gelungenen Bemühungen, ein für die Festwochen neues Publikum zu gewinnen, auf keine breitere Resonanz gestoßen bin."


Rudolf Scholten war als Aufsichtsratsvorsitzender vor nicht allzu langer Zeit maßgeblich an der Ernennung Zierhofer-Kins beteiligt, bedankt sich nun bei dem scheidenden Intendanten für "den mutigen Schritt, eine Neukonzeption der Wiener Festwochen" eingeleitet zu haben. Die Entscheidung sei "in einem konsensualen Gespräch getroffen worden", betont Kaup-Hasler in dem Schreiben und fährt fort: "Ich kenne Tomas Zierhofer-Kin persönlich seit langem und schätze seine Arbeit."

Was bisher geschah
Zierhofer-Kin, geboren in Salzburg, gründete noch während seiner vielfältigen Studien (darunter auch Gesang und Komposition) mit Markus Hinterhäuser, mittlerweile Intendant in Salzburg, die "Zeitfluss"-Reihe, ein Avantgarde-Angebot der Salzburger Festspiele, danach setzte das Duo sein Erfolgsprogramm bei den Wiener Festwochen fort ("zeit_zone"). Von 2005 bis 2016 leitete Zierhofer-Kin mit durchschlagendem Erfolg das Donaufestival in Krems.

In Wien war indes schon seine Antrittsprämisse umstritten: Warum sollte man eigentlich ein gut funktionierendes Festival wie die Festwochen von Grund auf erneuern? Eine Antwort darauf blieb der Intendant bis zuletzt schuldig.

Vor allem seine erste Saison mündete in einem künstlerischen Fiasko: Sein Neustart wurde in seltener Einigkeit von Kritik und Publikum abgelehnt. Es fehlte an wegweisenden Aufführungen, dafür gab es ein Überangebot an performativen Versuchsanordnungen, insgesamt wirkte das Programm zersplittert und etwas disparat.

Es kam zur Kurskorrektur: Tomas Zierhofer-Kin entließ zwei Kuratoren und stellte eine ganze Reihe neuer Leute ein. In Interviews zeigte er sich zerknirscht, räumte Fehler ein. Aber auch die Festwochen 2018 vermochten nicht wirklich zu überzeugen: Mit abgesicherten Positionen des deutschen Stadttheaters, kaum Uraufführungen und Eigenproduktionen wirkte das Programm recht dürftig. Das Musiktheater, traditionell Stiefkind der Festwochen, fand heuer nur reduziert statt. Richtig gut entwickelt hat sich eigentlich nur das Club-Festival "Hyperreality", und auch die Gösser-Hallen, ein Veranstaltungsort hinter dem Hauptbahnhof, sind in diesem Jahr schon deutlich besser angenommen worden als beim ersten Anlauf. Das Herzstück der Festwochen, das Theaterprogramm, blieb indes weitgehend Leerstelle.

Wie geht’s weiter?
"Jetzt gilt es darüber nachzudenken, die Wiener Festwochen weiterhin als innovatives und strahlendes Festival zu positionieren", hält Kulturstadträtin Kaup-Hasler in ihrer Aussendung fest.

Über diesen Nachdenkprozess ist derzeit noch nichts bekannt. Wer interimistisch die Leitung übernimmt und wie die Zukunft der Kuratoren aussieht, die Zierhofer-Kin erst im Vorjahr engagierte, ist noch offen. Auch ob die vorzeitige Vertragsauflösung etwas mit den aktuellen Auslastungszahlen und Kartenerlösen der diesjährigen Festwochen zu tun hat, lässt sich derzeit nur vermuten. Die Zahlen für das Festival, das am vergangenen Sonntag zu Ende ging, werden laut Festwochen-Pressebüro am Donnerstag bekanntgegeben. Der Vorhang fällt und alle Fragen offen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-19 13:43:29
Letzte Änderung am 2018-06-19 14:16:29



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