- © G. Wilke / TU Wien
© G. Wilke / TU Wien

Man kann es regeln: Wir wollen jene Mieter haben, die es brauchen; wir können das nach deren konkreten Bedarf ausrichten – wie viele Kinder sie haben, wie viele Zimmer sie brauchen und so weiter.

Wie beurteilen Sie die Immobilien-Politik der USA, speziell der Ära Clinton? Es heißt ja, dass scheinbar billige, aber letztlich doch problematische Massen-Kredite, die von diesen zwei bekannten Finanz-Institutionen vergeben wurden, den unteren Schichten den Kauf von Immobilien-Eigentum ermöglichen sollten; das habe aber letztlich zu dieser sogenannte Immobilien-Blase geführt, die eine Grundlage für die vielleicht größte Krise, welche die USA oder gar die ganze Welt in den letzten Jahrzehnten erlebt hat.

Ja, das ist eine gute Beschreibung. Es ist ein voraussehbares Ergebnis, wenn man meint, der Wohnungsmarkt soll immer gewinnträchtig sein, er soll bestimmen, was gebaut wird.

Aber wenn Arbeitsplätze verloren gehen oder wenn die Gehälter nicht so schnell steigen, wie die Baukosten, dann ist die Frage, was soll ein Bauherr tun, der keine Kunden mehr findet, die ihm genug bezahlen können? Was kann er tun?

Eines, das er tun kann, durchaus in der Wirtschaft, speziell auch der Wohnungswirtschaft: Er kann Kredite verschaffen: "Sie haben nicht genug, das Ganze auf einmal zu zahlen, aber wenn wir Ihnen einen Kredit geben, dann zahlen Sie über mehrere Jahre verteilt zurück."

Das führt letztlich zu dem Punkt, dass man Leute zu Krediten überredet, die eigentlich langfristig – je nachdem, wie die Wirtschaft sich entwickelt – nicht die Möglichkeit haben, den Kredit aus eigenem Einkommen zu bezahlen. Und dann hat man eine Krise.

Wenn jetzt Arbeitsplätze weniger werden, ist das Problem: Entweder bekommen die Geldgeber, das heißt die Banken, ihr Geld nicht mehr, oder die Leute müssen ihre Häuser oder Wohnungen verlassen. Das passiert mehr und mehr. Die brennende Frage ist, wie kann man es verbieten? Wie können Leute in Wohnungen bleiben, für die sie eigentlich zu viel bezahlt haben – und auch zu viel Kredit aufnehmen mussten?

Sie haben sich ja schon während Ihres Studiums dieses Themas angenommen. Haben sich Ihre theoretischen Annahmen, die Sie vor Jahrzehnten formulierten, nun in der Realität wiedergefunden?

Ich kann nicht behaupten, dass ich vorausgesehen habe, wie ich meine Doktor-Arbeit geschrieben habe, dass es über die Kredit-Politik zu dieser "Blase" kommen würde.

Aber ich habe vorausgesehen, dass die Macht, Wohnungen anzubieten, von den Gewinnmöglichkeiten im Wohnungsbau abhängig machen würde; es würde zu einem schlechten Ergebnis führen; Leute mit viel Geld würden gut wohnen, Leute mit wenig Geld würden schlecht wohnen. Das war und ist, meine ich, nicht recht, nicht moralisch.

In diesem Sinn hatte ich bereits eine Kritik daran, wie der Wohnungsmarkt funktioniert, aber dass es über die Kreditaufnahmen laufen würde, das habe ich nicht vorausgesehen.