- © G. Wilke / TU Wien
© G. Wilke / TU Wien

Ich meine, die jetzige Wiener Entwicklung geht mehr in Richtung Modernisierung im technologischen Sinn, aber weniger in einem sozialen Sinn. Ich weiß darüber zu wenig, um das einschätzen zu können, aber es ist vielleicht mehr eine Entwicklung in Richtung Privatisierung und Individualisierung als in Richtung Gemeinsamkeit.

Wir bezogen uns bisher sehr stark auf Wien. Im größten Teil Österreichs, vor allem in den Regionen es gibt ja in Österreich keine weitere so große Stadt wie Wien (und auch in Deutschland gibt es nur wenige so große Städte) , sieht das Wohnen ja anders aus. Das Ein- oder Mehrfamilien-Haus ist die deutlich überwiegende Wohnform und es ist auch die erste Wahl – ein "Traum" – der Menschen. Es bringt dies aber – abgesehen von der allgemeinen Fragen des Zusammenlebens – zum Beispiel für die Raumplanung konkrete Probleme, speziell etwa die Verkehrsproblematik. Welche Herausforderungen sehen Sie hier?

Zwei ganz unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche. Das Eine hat mit Ökologie und Effizienz zu tun; man verbraucht mehr Boden, es werden die Arbeitswege länger, mehr Auto- und weniger Öffentlicher Verkehr sind die Folge. Es hat aber auch viele Vorteile, weil die Menschen in ihrem alltäglichen Leben das Gefühl von Freiheit haben – was man eben auch mit Eigentum verbindet.

Das hat aber eigentlich weniger zu tun mit der Form des Hauses, sondern mit den rechtlichen Verhältnissen. Ich meine, die beste Entwicklung wäre die, eigenständige Ein- oder Mehrfamilien-Häuser zu haben, dazwischen wegen der Diversität vielleicht auch sechsstöckige Häuser, aber wo es auch Bestimmungen geben sollte, was und wie gebaut wird. Solche "Trusts", oder auch Genossenschaften, von denen ich vorher gesprochen habe, wären eine Möglichkeit, das zu tun.

Wir sehen auch in Nachbarschaften, in denen es hauptsächlich Einfamilien-Häuser gibt, dass man gemeinsames Boden-Eigentum haben kann und freie, unabhängige Häuser.

Das ist ja eigentlich ein Widerspruch. Im Zusammenhang mit der Großstadt propagieren Sie den sozialen Wohnbau, die großen Einheiten (wie zum Beispiel damals den Karl-Marx-Hof), während Sie für die Regionen das Ein- oder Mehrfamilien-Haus bevorzugen würden.

Ja. Es ist aber sehr unterschiedlich zu beurteilen; in der Mitte von New York kann man keine Einfamilien-Häuser bauen. Ich meine, das ist keine einfache Frage. Es ist bestimmt so, dass es nicht dieselbe Lösung in jedem Ort geben soll.