Wir schreiben das Jahr 1691. Der 34jährige Ferdinand Sertl verlegt seinen Lebensmittelpunkt von Melk nach Steyr, wo er fortan als Kapellmeister und  Betreuer der Feuerwache am Stadtpfarrturm arbeitet. Sertl ist ein gläubiger Mann, er betet täglich und eines Tages hört er von der wundersamen Heilung einer lahmen Chorschwester: Sie hatte eine Christkindfigur aus Wachs um Heilung angefleht.

Sertl macht sich alsbald auf den Weg zu den Schwestern, um ebenfalls das kleine Christkindlein zu erbeten. Denn er leidet an der "hinfallenden Krankheit", der Epilepsie. Wenig später baut er dem wächsernen Christuskind einen bescheidenen Andachtsraum: Im dichten Wald ein wenig außerhalb von Steyr höhlt er dafür den Stamm einer Fichte aus und versteckt es dort. Regelmäßig besuchte und verehrte er es - und siehe da, auch er wird von seiner Krankheit geheilt.

Aus dem Mirakelbuch

Bald wurde der Baum mit der Gnadenfigur aus Wachs zu einem beliebten  Andachtsort, es fanden sich immer mehr Leute ein, um das Christkindl  zu verehren, der Name "Zum Christkindl unterm Himmel" war geboren. Und wie das Mirakelbuch von Pater Freudenpichl aus dem Jahr 1712 zeigt, soll Ende des 17. Jahrhunderts aus Dank für die Heilung seines sterbenskranken Kindes der Bauer Rahofer den Baum samt Wachsfigur in eine Kapelle aus Holz eingeschlossen haben. Der Grundstein für die spätere Wallfahrtskirche war damit gelegt.

1702 folgte der Startschuss für den Bau der Kirche rund um den Andachtsort nach den Plänen des italienischen Barock-Architekten Giovanni Antonio Carlones, 1709 übernahm der österreichischen Baumeister Jakob Prantauer, der die Basilika 1725 vollendete. Seither trägt sie den Namen "Wallfahrtskirche Zum göttlichen Christuskind", von den einheimischen kurz "Christkindlkirche" genannt. Das wundertätige Wachsfigürchen wurde in einen Schrein gesetzt und ebenso wie der Fichtenstamm in den freistehenden Hochaltar eingebaut.

Website: Die Gründung von Christkindl auf sagen.at