Als einen Garten Eden der Antike wurde das angeblich babylonische Weltwunder oft dargestellt. - © corbis
Als einen Garten Eden der Antike wurde das angeblich babylonische Weltwunder oft dargestellt. - © corbis

London. Allein schon der Zauber des Namens geht einem nach, aus Kindheitstagen. Die Hängenden Gärten der Semiramis rufen Vorstellungen von magischer Fülle, von orientalischer Rätselhaftigkeit herauf. In Babylon, haben wir gelernt, war dieses Weltwunder der Antike zuhause. Nebukadnezer II. hatte die Gärten im 6. Jahrhundert vor Christus anlegen lassen - etwas südlich von Bagdad, wo er als König der Babylonier residierte.

Von begrünten Terrassen und wild überwucherten Säulengängen, von Kanälen und sprudelnden Bächlein und exotischen Pflanzen und Bäumen stockauf und stockab ließ sich, beim Gedanken an die Hängenden Gärten, träumen. Die geheimnisumwitterten Gärten waren ein buchstäblich phantastischer Ort im Zweistromland. Schon im Mittelalter schwärmten gebildete Europäer von ihnen. Eine der berühmtesten Illustrationen stammt aus dem 16. Jahrhundert.

Nur leider hatte nie jemand überzeugende Beweise für ihre Existenz geliefert. Generationen von Archäologen hatten nur mit Mühe ihre Theorie vom babylonischen Wunder am Leben gehalten. In Babylon selbst war nicht viel Handfestes zu entdecken gewesen. Und Historiker wie Herodot hatten die Gärten mit Babylon nie in Zusammenhang gebracht.

Der Grund dafür, meint die Oxforder Forscherin Stephanie Dalley, sei letztlich sehr simpel. Man habe nämlich die Hängenden Gärten an der falschen Stelle gesucht. Statt in Babylon hätten sie sich in Ninive, im Norden des heutigen Irak, fast 500 Kilometer von Babylon entfernt, befunden. Nicht Nebukadnezer, sondern der Assyrer-König Sanherib habe sie anlegen lassen - nahe der heutigen Stadt Mosul und mindestens hundert Jahre früher, als man bisher angenommen hatte.

Nun ist es nicht das erste Mal, dass Stephanie Dalley, Expertin für alte Sprachen des Nahen Ostens, sich an der Aufklärung eines der hartnäckigsten Geheimnisse des Nahen Ostens versucht. Schon vor über zwanzig Jahren hatte die Mitarbeiterin des Oriental Institute der Universität Oxford auf Ninive als auf einen möglichen Standort der Gärten verwiesen. Seither hat sie allerdings fleißig Indizien gesammelt, die nun erstmals gebündelt in Buchform herauskommen. In ihrem "Geheimnis der Hängenden Gärten von Babylon" (Oxford University Press) glaubt Dalley den Nachweis führen zu können, dass das Weltwunder wirklich existierte. Ihr Buch hat in England erhebliches Aufsehen erregt.