Dahinter verbarg sich eine gigantische Spekulationsblase, getragen von der Annahme eines ewigen und sich stetig steigernden Wohlstands im Zeichen der "goldenen Zwanziger", wie ihn Präsident Herbert Hoover prophezeite. Die Fließbandproduktion (Henry Ford) lief auf Hochtouren. Zahlreiche neue Investmentfonds und -banken wie die schillernde Goldman Sachs waren börsenfähig geworden. Die Aktie der Radio Cooperation of America (RCA) wuchs von fünf auf 500 US-Dollar. Die Kursanstiege verbreiteten sich über Rundfunk wie ein Lauffeuer. Der Lebensstandard der US-Bürger lag allerdings deutlich über ihren Einkommen. Man lebte auf Pump und pokerte zudem hoch: Aktienkäufe erfolgten durch Firmen, Klein- wie Großanleger millionenfach auf Kreditbasis mit hohem Fremdkapital - all dies in der Erwartung, die Schulden damit zu begleichen.

Eine Börsenaufsicht existierte ebensowenig wie zivil- und strafrechtliche Sanktionen oder börsentechnische Vorkehrungen gegen Überspekulation. Als der Dow Jones bis Mitte Oktober 1929 spürbar zurückging, machten sich Nervosität und Verkaufspanik breit. Massive Stützungskäufe durch Banken und Investmentfonds setzten ein. Die von der Federal Reserve verordnete Geldverknappung ließ die Lage noch eskalieren. Beschwichtigungen fruchteten nichts. Die Kurse waren so eingebrochen, dass die Kredite keine Deckung mehr erfuhren. Die Bankhäuser verlangten ihr Geld zurück und zwangen die Wertpapierinhaber, ihre als Sicherheit angelegten Aktien zu verkaufen, was ihre Verschuldung noch steigerte.

Firmenbankrotte, Massenentlassungen und Konsumeinbruch folgten 1930. Die USA verhängten Importzölle und zogen ihre Kredite für europäische Schuldner aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zurück. Folglich brachen in Europa Banken zusammen. Die Weltwirtschaftskrise schlug 1931 voll durch. Deflationspolitik verfehlte ihr Rettungsziel. Die Arbeitslosenrate stieg auf sechs Millionen in Deutschland. Sie ebnete u.a. Hitler den Weg zur Macht. 1932 waren knapp 90 Prozent der 1929 in der Spitze erreichten Marktkapitalisierungen vernichtet. Franklin D. Roosevelt folgte 1933 Hoover in den USA und startete den "New Deal" gemäß Vorstellungen des englischen Ökonomen John Maynard Keynes.

Schwarzer Montag 1987

Der 19. Oktober 1987 ging ebenfalls in die Geschichte der Finanzcrashs ein. Mit 22,6 Prozent hatte der Dow Jones den bis dato größten Tagesverlust aller Zeiten in der Wall Street zu beklagen, ein Absturz, der sich rasch auf internationale Börsen auswirkte. Ausgangspunkt war die sogenannte "Portfolio Insurance" mit ihrem vollautomatisierten Wertpapierhandel. Die Ökonomen Fischer Sheffey Black und Myron Samuel Scholes hatten 1973 ein finanz-mathematisches Modell zur Überwachung der Börse und zur Weiterleitung von Aufträgen entwickelt. Der angeblich gesicherte Kauf und Verkauf von Aktien wurde durch Computer gesteuert.

Der Regierung von Ronald Reagan war es indes nicht gelungen, das US-Handelsbilanz-Defizit, das bei über 150 Milliarden US-Dollar lag, und die Inflation unter Kon-trolle zu bringen. Der "Louvre Accord" vom 26. Februar 1987 der G6-Staaten hatte schon zur Stabilisierung der Wechselkurse und des abgewerteten Dollars beitragen müssen. US-Finanzminister James Baker kündigte in der "New York Times" am 18. Oktober an, den Dollar nicht mehr zu stützen, wenn die Deutsche Bundesbank im Streit um die Frage der Erhöhung der Zinsen nicht mitziehen würde. Damit war ein unmittelbarer Auslöser des "Schwarzen Montags" gegeben.