Kurz zuvor hatte schon ein Verkaufstrend von Aktien eingesetzt. Eine amtliche Untersuchungskommission unter Senator Nicholas F. Brady hatte die anschwellende Geldmenge, eine Übernahmewelle sowie entsprechenden Inflationsdruck als Ursachen ausgemacht. An der globalen Leitbörse in New York wechselten 600 Millionen Aktien ihren Besitzer. Der Handel hatte sich derart intensiviert, dass die überforderten Computer ausfielen. Es gab an diesem einen Tag einen 500 Milliarden schweren Aktienwertverlust. US-Notenbankchef Alan S. Greenspan veranlasste umgehend eine Liquiditätsflut. Alle Zahlungsverpflichtungen wurden übernommen und Ankäufe von Staatsanleihen in Milliardenhöhe veranlasst, sodass im Dezember wieder ein Kursplus zu verzeichnen war.

Damit zog er eine Lehre aus der Krise von 1929. Mit Zinssenkungen der FED, einer Liquiditätsschwemme, Beschränkung des Aktienhandels und durch Rückkauf von Aktien konnten ein weiterer Absturz sowie eine globale Ausweitung der Katastrophe abgewendet werden. Niedrigzins- und Stützungspolitik blieben jedoch fraglich, zumal sie neuerlich zu übergroßer Risikobereitschaft (ver-)führten.

Die Dotcom-Blase

Die "Business Week" nannte ihn euphorisch "Cartoon König": Der deutsche Unternehmer Thomas Haffa expandierte mit seiner 1989 gegründeten "EM.TV" durch Börsengang ab 1997 bis zum Februar 2000 in unvorstellbarem Ausmaß. Das geschah durch Erwerb von TV-Übertragungsrechten, Unterhaltungsfilmen und Kinderprogrammen, den Einstieg in die Formel-1-Berichterstattung und die Übernahme des Hollywood-Studios Jim Henson Company ("The Muppet Show").

Die unendlichen Möglichkeiten der "neuen Wirtschaft" verkehrten sich jedoch rasch ins Gegenteil. Der Zusammenbruch der EM.TV & Merchandising und die öffentliche Demontage des früheren BMW-Lehrlings und Schreibmaschinenverkäufers Haffa kamen für viele Kleinaktionäre überraschend. Der schier unaufhaltsame und unheimliche Erfolg war durch waghalsige Deals mit hohen Kaufsummen, trickreiche Geschäfte, Phantasieprojekte, Shopping-Exzesse sowie hohe Rückzahlquoten und Überbewertungen der Firma an der Börse zustande gekommen. Der EM.TV-Börsenwert entsprach dem 86-fachen Umsatz des Unternehmens - der Walt-Disney-Börsenwert brachte es im Vergleich dazu nur auf den 2,3-fachen Wert.

Der gigantomanische Aufstieg und der unerwartete Absturz durch spekulative Unternehmenspolitik war für die Einbrüche an der Deutschen Börse im Laufe des Jahres 2000 symptomatisch. Das Geld kam nicht von unternehmerischer Produktivität und solider Wertschöpfung, sondern von der Börse. Es ließ sich durch unbedenklich mitspielende Anleger mühelos vermehren.

Was die Geschichte lehrt

Die Blase war im Zeichen des wundersamen Internets, der Mobilfunkgeräte und von Medien beflügelt worden. Der DAX erreichte ungeahnte Höhenflüge, weil auch Siemens, SAP, Mannesmann und Telekom hohe Kursgewinne erzielten und (vorerst) die Rendite stimmte. Es handelte sich jedoch um teils unbekannte, teils überzeichnete Papiere.

Nach dem Massenansturm setzte ab dem Frühjahr 2000 allgemeines Unbehagen ein. Als die Wachstumserwartungen fielen, tauchten "Todeslisten" auf. Ausbleibende Umsätze führten zum Kursrückgang im Juni. Die Telekom-Aktie von Ron Sommer erzielte keine großen Emissionsgewinne mehr. Hunderte Aktien, die in den Vormonaten mit hohem Wert notiert hatten, wiesen nur noch zweistellige Zahlen auf. Sie entpuppten sich als Papiertiger. Fehlende Aufklärung über die Anlegerrisiken führten zu Gerichtsverfahren, zumal auch Umsätze vorgespiegelt wurden, die nicht existierten.

Die Geschichte lehrt, dass Spekulationsblasen wiederkehren. Die Palette der Spekulationsobjekte weitete sich stets aus. Verbesserte technische Möglichkeiten ließen die Zeitabstände geringer werden. Gier spielt die entscheidende Rolle. Sie scheint in der Natur des Menschen zu liegen. Persönliche Bescheidenheit, individuelle Selbstbeherrschung, eine Politik der Nachhaltigkeit und staatlich-unternehmerische Verantwortung können den Exzessen entgegenwirken. Andernfalls kommt die nächste Finanzkrise bestimmt, wie es historisch bewiesen ist.