Erste Betroffene: Leiharbeiter

Die Situation besserte sich also nicht rasch, sondern dauerte länger an. "Da haben wir noch gar nicht gewusst, welche Ausmaße das annehmen wird", sagt-Schwarz von MAN. Also setzte man im Unternehmen den Krisenplan um: Eine der ersten Maßnahmen war es, von den 550 Leasingarbeitskräften 500 nicht weiter zu beschäftigen. "Das war schon wild", sagt Schwarz, wobei er einräumt: "Glück im Unglück war da noch, dass wir einer der ersten betroffenen Betriebe waren, deshalb haben andere Firmen in der Region noch gesucht, und einige sind noch unterkommen."

Generell zeigt sich aber, dass Leasingarbeitskräfte, die man auch Zeit- oder Leiharbeiter nennt, nicht nur bei MAN, sondern auch generell die ersten und außerdem am stärksten Betroffenen der Wirtschaftskrise waren. Sie wurden damals nicht nur an die Arbeitskräfteüberlasser zurückgestellt, sondern arbeitslos. So kommt es, dass 2008 im Jahresdurchschnitt noch 76.598 Personen in der Arbeitskräfteüberlassung beschäftigt waren, 2009 aber nur mehr 64.189 - die Beschäftigung von Leiharbeitern ging also um 16,2 Prozent zurück.

Arbeitszeit ging zurück

Zurück zu MAN nach Steyr, es brauchte auch einen Krisenplan für die Stammbelegschaft, den Betriebsrat und Geschäftsführung mit Unterstützung der Sozialpartner entwickelten. So kam es, dass erst Urlaube abgebaut und freie Tage, die später eingearbeitet werden sollten, vorgezogen wurden.

Wirtschaftskammer-Experte Rolf Gleißner nennt darüber hinaus auch Teilzeitvereinbarungen und Bildungskarenzen als Sofortmaßnahmen der Betriebe in dieser Krisenzeit. Das wirkte sich auf die durchschnittliche Arbeitszeit der unselbständig Beschäftigten aus - wenn auch weit weniger als der Wirtschaftseinbruch: Von 2005 bis 2007 lag die Arbeitszeit bei Vollzeitbeschäftigten inklusive Überstunden quer über alle Branchen hinweg konstant bei 44,4 Stunden, 2008 aber sank sie auf 44,1 Stunden pro Woche - und 2009 lag sie bei 43,9 Stunden.

Kurz arbeiten

All diese Maßnahmen reichten aber nicht, deshalb entdeckten Politik, Sozialpartner und Unternehmen ein davor lange ruhendes Kriseninstrument wieder: die Kurzarbeit. "Wobei es da anfänglich bürokratische und finanzielle Hürden gab", sagt Gleißner. Diese wurden nun in der Krise in mehreren Schritten beseitigt: War die Höchstdauer davor auf 12 Monate beschränkt, konnte sie erst auf 18, letztlich auf bis zu 24 Monaten ausgeweitet werden. Außerdem übernahm der Staat bzw. das AMS die Sozialversicherungsbeiträge für die Kurzarbeitenden, wenn Kurzarbeit in den Betrieben vereinbart war. Die Arbeitszeit konnte zwischen 10 und 90 Prozent reduziert werden. Ein Beispiel: Wurde die Arbeitszeit auf 50 Prozent reduziert, erhielten die Mitarbeiter oft 90 Prozent ihres Einkommens weiter, einen Teil der Kosten der 40 Prozent weniger Arbeitsleistung übernahm das AMS, den Rest das Unternehmen.

Kurzarbeit wurde aber auch schon vor diesen Änderungen vermehrt eingesetzt: Am 13. Oktober 2008 kam die Eilt-Meldung, dass Magna-Steyr mit 2600 eine große Anzahl an Mitarbeitern zur Kurzarbeit anmeldete. Da die Autohersteller ihre Produktion wegen schwacher Nachfrage drosselten, zählte man Ende Oktober bereits 4000 Kurzarbeiter im steirischen Autocluster und 500 im oberösterreichischen.