• vom 08.09.2018, 08:00 Uhr

Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite

Update: 10.09.2018, 19:23 Uhr

Lehman-Pleite

Ein Lernprozess mit Rückfallrisiko




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Von Ronald Schönhuber

  • Heute sind die Finanzmärkte viel widerstandsfähiger. Die nächste Krise kommt aber sicher.

Lehman-Mitarbeiter verlassen mit ihren Habseligkeiten die Pleite-Bank.

Lehman-Mitarbeiter verlassen mit ihren Habseligkeiten die Pleite-Bank.© reuters Lehman-Mitarbeiter verlassen mit ihren Habseligkeiten die Pleite-Bank.© reuters

NewYork/Frankfurt. Der 9. August 2007 schien ein ruhiger Sommertag zu sein: Die Raumfähre "Endeavour" war auf dem Weg zur Raumstation ISS und in Österreich meldete Raiffeisen international einen um 38 Prozent gestiegenen Konzerngewinn im ersten Halbjahr. Dann aber kam eine Nachricht, deren Tragweite viele in Finanzwelt und Politik auch lange danach nicht erfassten: Die Europäische Zentralbank (EZB) pumpte in einem massiven Schritt 95 Milliarden Euro in die Märkte. Sie reagierte damit auf die angespannte Lage der Finanzbranche durch die US-Häuserkrise. Viele Institute hatten in komplex verschachtelte Immobilienpapiere investiert, hinter denen zum überwiegenden Teil Kredite von Hausbesitzern standen, die ihre Raten schon längst nicht mehr zahlen konnten.

Mit der massiven Geldspritze der EZB war die US-Subprime-Krise quasi offiziell in Europa angekommen. In vielen EU-Staaten mussten Banken zusätzlich von den Staaten mit Steuermilliarden gestützt werden, da die Institute einander schon damals immer weniger trauten und sich gegenseitig kaum noch Geld liehen.


Der eigentliche Tsunami brach allerdings erst ein Jahr später über die Finanzwelt herein. In Folge der unerwarteten Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 breitete sich die Krise mit rasender Geschwindigkeit rund um den Globus aus und brachte das Wirtschaftssystem an den Rand des Abgrunds. Um einen Ansturm von Sparern auf die Banken zu verhindern, verkündeten die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der damalige Finanzminister Peer Steinbrück Anfang Oktober vor laufenden Fernsehkameras eine staatliche Garantie für private Sparguthaben. Die österreichische Bundesregierung folgte dem deutschen Beispiel nur wenige Stunden später.

Mehr Kapital, mehr Aufsicht


© REUTERS © REUTERS

In den folgenden Monaten pumpten die USA 250 Milliarden Dollar in ihre großen Banken. In Deutschland verschwanden die einst zweitgrößte Bank des Landes, die WestLB, und der größte Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate von der Landkarte. In Österreich wurde die Kommunalkredit abgewickelt und die ersten Hilfspakete für die schließlich 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria geschnürt.

Von Normalität ist allerdings auch zehn Jahre nach der Lehman-Pleite nicht die Rede. So ist der Anteil der faulen Kredite in der EU zuletzt zwar auf 4,4 Prozent gesunken, dennoch schleppten Ende 2017 allein die großen Geldhäuser in der Eurozone sogenannte non performing loans im Umfang von 759 Milliarden Euro mit sich herum. Problematisch ist die Lage dabei nach wie vor in einigen südeuropäischen Ländern. So gelten in Griechenland noch mehr als 45 Prozent der Kredite als notleidend, in Zypern sind es trotz der jüngsten Fortschritte beim Abbau von toxischen Papieren noch immer 32 Prozent und in Portugal 14 Prozent.

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Dokument erstellt am 2018-09-07 17:33:09
Letzte Änderung am 2018-09-10 19:23:09



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