• vom 11.09.2018, 17:14 Uhr

Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite

Update: 12.09.2018, 08:47 Uhr

Finanzkrise

Lehmans Werk und Österreichs Beitrag




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Von Marina Delcheva

  • Die Lehman-Pleite befeuerte in Österreich eine ganz eigene Bankenkrise mit Problemen made in Austria.

- © Illustration: AdobeStock/studiostoksValery Kachaev

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Wien. Es gibt Tage, an die erinnert man sich auch viele Jahre später. Auch wenn sie das eigene Leben nicht unmittelbar betreffen. Noch nicht. In der Finanzwirtschaft ist der 15. September 2008 so ein Tag. Der Tag, an dem die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging und die Macht des Marktes in Wanken kam. "Wir haben alle nervös auf unsere Bildschirme gestarrt und den ganzen Tag CNN geschaut", sagt Klaus Kumpfmüller, Vorstand der Finanzmarktaufsicht. "Man hat es für unmöglich gehalten, dass eine so große Bank nicht gerettet wird." Die Tragweite dessen, was danach kam, konnte damals aber niemand so richtig einschätzen. Die Lehman-Pleite brachte eine Lawine ins Rollen, die das globale Finanzsystem infizierte und zahlreiche Staaten in eine Schuldenkrise stürzte.

Krise auf österreichisch

Die Finanzkrise war, wenn man so will, auch eine Vertrauenskrise. Plötzlich misstraute jeder jedem; die Banken hörten auf, sich gegenseitig Geld zu borgen. "Die Liquidität am Interbankenmarkt ist zusammengebrochen. Das war davor undenkbar", erzählt Andreas Ittner, Vize-Gouverneur der Nationalbank. "Der massive Vertrauensverlust hat dazu geführt, dass Dinge, die eigentlich nichts mit der Lehman-Pleite zu tun hatten, zum Problem wurden", erklärt Kumpfmüller.

Auf Österreich schwappte die Krise Ende 2008 wegen der damals hohen Zahl an Fremdwährungskrediten, vor allem in Schweizer Franken, über. Zu dem Zeitpunkt hatten die Österreicher aushaftende Franken-Kredite im Volumen von 38 Milliarden Euro. Sie wurden alle ein bis drei Monate mittels sogenanntem Rollover refinanziert. Das wurde quasi über Nacht zum Problem, weil die zwei wichtigsten Refinanzierungsbanken, die Schweizer UBS und die Credit Suisse, von dem Lehman-Crash mitgerissen wurden. Das wiederum hätte die heimischen Banken massiv in Bedrängnis gebracht, weshalb die Europäische Zentralbank (EZB), die OeNB und die Schweizer Nationalbank einschreiten mussten. Hinzu kamen die maroden Institute Kommunalkredit, Hypo Alpe Adria und Constantia Privatbank. Zudem befürchtete man damals, dass das starke Engagement heimischer Banken in Osteuropa wegen drohender Kreditausfälle auch zum Problem werden könnte, was sich aber nicht bewahrheitete.

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Auf die Eruptionen im Bankensektor hat die damalige Regierung mit einem 100 Milliarden Euro schweren Rettungspaket reagiert. Laut Finanzministerium hat der Staat seit 2008 12,4 Milliarden Euro für den Finanzsektor ausgegeben. Zurückgeflossen sind 6,7 Milliarden. Darunter fällt zum Beispiel die Rückzahlung des Partizipationskapitals der drei großen Banken Raiffeisen International, Erste Group und Bawag. Auch die Assetverwertung der ehemaligen Hypo Alpe Adria, nun Heta, ist hier zu verbuchen. In Summe bleibt der Steuerzahler aber bis jetzt auf 5,7 Milliarden Euro sitzen. Nicht eingerechnet sind hier die Beihilfen der Bundesländer. Das Land Kärnten hat zum Beispiel zugesagt, sich mit rund 1,2 Milliarden Euro an der Abwicklung seiner früheren Landeshypothekenbank, heute Heta, zu beteiligen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-11 17:24:13
Letzte Änderung am 2018-09-12 08:47:13



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