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007 und die Lizenz zum Verspießern

Von Christoph Irrgeher

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Neuseeländische Forscher schlagen Alarm: James Bond, heißt es in einem Aufsatz, der sich den Agenten in der "echten" Welt vorstellt, sei massiv bedroht.

Das wirkt nicht neu. Immerhin ist 007 chronisch von Superbösen umgeben - Düsterlingen, die den britischen Strahlemann wahlweise zersägen, erdolchen, ertränken, erschießen, kastrieren oder lobotomieren wollen.

Die Wissenschafter aber kommen zu einem ganz anderen Befund: Es seien seine Laster, die Bond bedrohen. Erstens der Alkohol. Und zweitens, kein Witz!, das Passivrauchen. Den Tabakgenuss hat sich Bond zwar schon vor Jahrzehnten abgewöhnt. Sein Umfeld - Schurken, Schergen, Schafzimmerschönheiten - neigt der Zigarette aber immer noch zu, und dieser Dunst dämpfe seine Lebenserwartung. Womit wir bei der (nicht ganz neuen) Kernbotschaft des neuseeländischen Artikels wären: Es sei ein Übel, dass in Bond-Filmen immer noch geraucht werde, denn die Jugend nehme sich daran ein Beispiel und dann . . . bla.

Nun ist es löblich, gesundheitsschädliches Verhalten einzudämmen. Die Neuseeländer mögen sich aber bitte fragen, warum James Bond beliebt ist. Weil er einen geregelten, gesunden, monogamen, cholesterinarmen, nachhaltigen, politisch korrekten, kurz: langweiligen Lebensstil pflegt? Oder weil er jener Mann ist, der uns allen eine fiktive Kompensation verschafft für unser weitgehend beschauliches Leben? Freilich: Dieses unspektakuläre Dasein garantiert sozialen Frieden, und der ist kostbar. Man möge uns aber bitte nicht das Ventil Bond nehmen. Es gibt - siehe Politik - bei weitem schlimmere.