Zum Hauptinhalt springen

1 Mrd. Euro, 30.000 Betriebe: Die Notwendigkeit der Verdoppelung

Von Erika Bettstein

Wirtschaft

"Ein Prozentpunkt mehr Exporte bringt 7.000 Jobs, trägt 0,5 Prozentpunkte zum BIP bei und stärkt den öffentlichen Haushalt um 280 Mill. Euro im Jahr", betonte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl am Donnerstag zur Untermauerung seines Appells an Finanzminister Karl-Heinz Grasser, die geplante gemeinsame Exportförderung rasch auf Schiene zu bringen. Vorgestellt wurde der Nachfolger des mit 30. Juni in den Ruhestand getretenen Leiters der Außenwirtschaftsorganisation Egon Winkler: Der "Neue", Walter Koren, will bis 2007 die Zahl der exportierenden Betriebe auf 30.000 verdoppeln und ein Exportvolumen von 1 Mrd. Euro erreichen.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 21 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Im Umfeld der weltweiten Konjunkturschwäche haben Österreichs Lieferungen im 1. Quartal 2002 um nur 0,3% (Gesamtjahr 2001: plus 6,5%) auf 18,98 Mrd. Euro zugelegt. Soll aber die von den Wirtschaftsforschern prognostizierte Exportsteigerung heuer 4% betragen, so muss rasch gehandelt werden, sagt Leitl. Die dafür notwendige und mit Wirtschaftsminister Martin Bartenstein längst ausverhandelte Exportförderung von 25 Mill. Euro p.a. kreist im Finanzministerium in der "Warteschleife".

"Der Export ist Österreichs Konjunktur- und Wohlstandsmotor", schreibt Leitl Grasser ins Stammbuch, "die Ankurbelung bedeutet Arbeitsplatzsicherung und Budgetentlastung" - oder: "1% Export sichert die Beschäftigung im Ausmaß von drei Mal Libro-Pleite". Die Wirtschaftskammer wolle dazu die Hälfte des Fördervolumens beitragen.

"Roten Teppich" ausrollen

Die Mittel sollen in drei Maßnahmen fließen: Neue, vor allem kleine und mittlere Betriebe (KMU) sollen für den Außenhandel gewonnen werden, bestehende Exportcluster sollen bei der Expansion auf Auslandsmärkten unterstützt werden und große Unternehmen sollen via Auslandsmessen und Wirtschaftsmissionen das noch nicht genutzte Potenzial auf den Überssemärkten ausschöpfen können. Kurz: "Das 3-Jahres-Programm soll die Unternehmen dabei unterstützen, Exportchancen zu finden und umsetzen zu können."

Das ehrgeizige Programm, die Zahl der exportierende Betriebe zu verdoppeln, hält Koren für erreichbar: "15.000 sind 5% aller österreichischen Unternehmen, wir müssen vor allem KMU den ,roten Teppich' in die Auslandsmärkte ausrollen". Der 47-jährige Jurist und Ökonom weiß, wovon er spricht: Seit 21 Jahren arbeitet er für die Kammer, seit 1982 in der Außenwirtschaftsorganisation (AWO), zuletzt als Handelsdelegierter für Zentralamerika. Seine Vorhaben: "Intensive Beratungstätigkeit, Individualbetreuun durch die Außenhandelsstellen, Spezialveranstaltungen vor allem für Neuexporteure". Diese sollen "in konzentrischen Kreisen" zunächst in die Nachbarländer und danach auf andere europäische Märkte geführt werden. Auf seinem Programm steht auch "eine intensive Internationalisierungsberatung für Auslandsinvestitionen", denn: "Die Konjunktur- und Krisenanfälligkeit der Waren- und Dienstleistungsexporte nimmt ab, je höher die Direktinvestitionen vor Ort sind."

Abschied von "Mr. 110%"

Von Winkler verabschiedete sich Leitl "mit Wehmut, aber auch Aufbruchsstimmung". Winklers "berufliche Krönung" nach 10-jähriger AWO-Leitung, das Durchbrechen der Export-Schallmauer von 1 Mrd. Schilling 2001, habe mehr als eine Verdoppelung der Exporte bedeutet - der Abgang von "Mister 110%" bedeute auch eine Herausforderung. Winkler selbst spricht in Zahlen: In seiner Amtszeit hätten sich trotz Exportverdoppelung die Kosten der AWO von 3 auf 0,5 Promille des Außenhandels reduziert, vor allem das neue Kundenmanagement- (CRM-) Programm biete maßgescheniderte Serviceleistungen für Exporteure und biete eine gute Basis für die Fortsetzung der Erfolgsstory "Export".