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10.000 Leserbriefe

Von Stefan Beig

Leserforum
Peter Mitmasser privat

Peter Mitmasser im "WZ"-Portrait. | Die "Anliegen der Leute" thematisieren. | Wien. Er ist der produktivste Leserbriefschreiber der Nation. Fast jedes heimische Blatt war bereits Empfänger seiner oft empörten Schreiben.


In den vergangenen 25 Jahren hat der promovierte Kommunikationswissenschaftler und frühere Einkaufsleiter einer chemischen Fabrik geschätzte 10.000 Leserbriefe verschickt. Laut Peter Mitmasser wird etwa jeder sechste Brief auch veröffentlicht.

Job-Schwund und "Lärmterroristen"

"Schlechte Behandlung durch Behörden und Politik hat mich zum Schreiben angetrieben", erzählt der 66-jährige im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Ohne Rücksicht auf Lärm, Abgase und Feinstaub sei die A2 achtspurig ausgebaut worden, klagt Mitmasser, als Bewohner von Wiener Neudorf selbst betroffen.

Auch der geplante EU-Beitritt der Türkei ("Ich bin sehr dagegen!"), die EU-Verfassung, die niemandem erklärt worden sei, die Wahl der ORF-Publikumsräte ("Ein Scherz, und zwar ein schlechter!"), der Mangel an originellen politischen Führungspersönlichkeiten, der Job-Schwund und die fehlende Ethik in der Wirtschaft beschäftigen ihn.

"Mir geht es darum, eine andere Sichtweise auf ein Thema einzubringen", beschreibt Mitmasser sein Anliegen. So werde nirgends erwähnt, dass die Fluglinien, diese "Umweltverschmutzer und Lärmterroristen", keine Mehrwertsteuer für den "angeblich teuren Sprit" zahlen. Er selber sei, abgesehen von einem Aufenthalt in der Türkei, bisher nur dienstlich geflogen. Auch die Belastungen, die mit der geplanten dritten Piste am Flughafen Schwechat einhergehen, werden seiner Meinung nach verschwiegen. "Keiner denkt an die Leute", seufzt Mitmasser.

Kein Leserbrief wird zweimal verschickt

Aber "die Leute" denken mittlerweile an ihn. "Haben Sie sich schon mit diesem Thema beschäftigt? Könnten Sie nicht etwas darüber schreiben?", wird er immer häufiger bedrängt. "An mich werden Leserbriefe delegiert!", lacht Mitmasser. In drei Minuten ist er mit einem Brief fertig. Kein Leserbrief wird zweimal verschickt, jede Zeitung erhält einen anderen Text: "Jeder Brief geht auf einen bestimmten Artikel ein."

Seit drei Jahren ist Peter Mitmasser Pensionist. Er ist ein schneller Zeitungsleser. Als er noch Einkaufsleiter war, widmete er den Zeitungen täglich 30 Minuten, nun ist es eine Stunde. "Ich lese alle Blätter quer", berichtet er. Ansonsten seien ja noch andere Dinge in seinem Leben wichtig, etwa die Familie, bei der seine Leidenschaft übrigens auf kein Interesse stößt.