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108.781 Asylwerber im Vorjahr, der Großteil zog weiter

Politik

Zuletzt gingen die Zahlen wieder etwas zurück. 2022 war das System auch durch eine hohe Zahl ukrainischer Vertriebener belastet.


Einige Tage später als sonst üblich hat das Innenministerium am Montag seine monatliche Asylstatistik vorgelegt. In diesem Fall betrifft sie den Dezember 2022, die Daten des Vorjahres liegen damit nun vollständig vor. Die nackten Zahlen geben diesmal aber, aus unterschiedlichen Gründen, nur einen sehr oberflächlichen Blick über das Asylgeschehen.

Im gesamten Vorjahr wurden insgesamt 108.781 Anträge auf internationalen Schutz gestellt, das sind um rund 20.000 Fälle mehr als beim Höchststand in der Fluchtkrise 2015. Ähnlich wie damals betreffen rund 90 Prozent neu eingereiste Personen. In den Jahren 2018 und 2019 war das noch fundamental anders. Damals handelte es sich mehrheitlich entweder um nachgezogene Angehörige, in Österreich geborene Kinder von Asylberechtigten oder um Mehrfachanträge.

Anders als 2015 zog aber im Vorjahr ein Großteil der in Österreich registrierten Asylwerber in andere Länder weiter. Während vor sechs Jahren fast 80.000 Personen versorgt werden mussten, waren im Dezember rund 37.000 Asylwerber in der sogenannten Grundversorgung. Allerdings kam zu den Asylwerbern noch eine weitere Gruppe geflüchteter Personen hinzu: vertriebene Ukrainerinnen und Ukrainer.

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Diese müssen aufgrund einer rechtlichen Sonderstellung keinen Asylantrag stellen, der Nachweis der ukrainischen Staatsbürgerschaft reicht aus. Auch diese - im Dezember waren es rund 55.000 Personen - erhalten staatliche Grundversorgung, wobei der Großteil privat untergebracht ist und nicht in Asylheimen wohnt. Dennoch war durch die hohe Zahl der Vertriebenen das System der Versorgung in Österreich im Laufe des Jahres stark belastet und teilweise auch überlastet.

Viele Asylanträge kommen von Syrern und Afghanen

Stark betroffen waren auch die Behörden in den Grenzregionen, vor allem im Burgenland, da dort die meisten Anträge gestellt wurden. Im Jahr 2015 hatte man noch jene Geflüchteten, die ohnehin in andere Länder wollten, weitgehend ohne behördliche Registrierung durchgewunken. Im Vorjahr wurden 78.796 rechtskräftig negative Asylentscheidungen getroffen, nur neun Prozent aller Anträge wurden positiv beschieden. Das war 2015 auch noch anders, als fast die Hälfte der Ansuchen mit einem positiven Asylbescheid geendet hatte. Stark gewachsen ist aber die hohe Zahl an offenen Verfahren, die im Dezember 2022 mehr als 54.255 Fälle betraf. Es ist anzunehmen, dass die meisten davon zwar noch formal offen, aber die Antragssteller nicht mehr in Österreich aufhältig sind. Es dauert in diesen Fällen, bis die Akten geschlossen werden.

Nach wie vor stark in den Antragszahlen vertreten sind Personen aus Afghanistan und Syrien. Im Vorjahr suchten aus diesen beiden Ländern 43.391 Personen um Asyl in Österreich an. Im November und Dezember sind die Zahlen zurückgegangen. Rund 60 Prozent der Syrer erhalten, ähnlich wie Geflüchtete aus Somalia, in Österreich Asyl. Bei Afghanen sind es nur acht Prozent, ähnlich viele erhalten einen auf ein Jahr befristeten subsidiären Schutz.

Ungewöhnlich viele Anträge kamen ab Sommer von Personen aus Tunesien, Indien und Marokko. Dies war einer Einreiseerleichterung nach Serbien geschuldet, von dort war der Weg in die EU nicht weit. Aus diesen Ländern blieben aber nur sehr wenige. Durch geänderte Visa-Regeln für Serbien sind die Antragszahlen bereits im Dezember zurückgegangen, ab Jänner gelten sie auch für Inder nicht mehr. (sir)