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11 Bewerber um UNESCO-Führung

Von Claire Rosemberg Paris

Politik

· Bei der UNO-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) begann gestern das Rennen um die Nachfolge von Generaldirektor Federico Mayor. Um Mayors Nachfolge bewerben sich | elf Kandidaten, die vom Exekutivrat angehört werden. Dieses Gremium trifft die Wahl vom 18. bis 22. Oktober in geheimer Abstimmung.


Der neue Generaldirektor muss dann von der UNESCO-Generalkonferenz bestätigt werden. Falls sie ihre Zustimmung verweigert, muss der Exekutivrat binnen 48 Stunden einen neuen Namen

vorschlagen.

Als Favorit gilt der japanische Botschafter in Paris, Koichiri Matsuura. Der 62-Jährige war von 1992 bis 1994 Vize-Außenminister. Eine wichtige Rolle spielte er in der japanischen

Entwicklungshilfepolitik. Er soll die meisten asiatischen Stimmen hinter sich haben · auf Kosten des australischen Senators und Ex-Außenministers Gareth Evans. Der 55 Jahre alte Evans war maßgeblich

an der Ausarbeitung des UNO-Friedensplans für Kambodscha beteiligt.

Gute Chancen werden auch dem 55-jährigen Ägypter Ismail Serageldin eingeräumt, der Weltbank-Vizepräsident ist und von 48 Nobelpreisträgern unterstützt wird. Gegenkandidat im arabischen Lager ist der

59 Jahre alte saudiarabische Botschafter in London, Ghazi Algosaibi.

Auf den künftigen Amtsinhaber wartet die schwierige Aufgabe, die in Paris ansässige Organisation durch präzise und kostenwirksame Projekte glaubwürdiger zu machen. Unter dem 1987 gewählten und 1993

im Amt bestätigten Spanier Mayor erholte sich die UNESCO zwar langsam von einer Krise, die in den 80er Jahren mit dem Austritt der USA und Großbritanniens ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Mayors Vorgänger, der Senegalese Amadou Mahtar M'Bow, hatte mit seiner Vorstellung von einer "weltweiten Informationsordnung", die mit westlichen Kriterien der Pressefreiheit unvereinbar war, viele

gegen die Organisation aufgebracht. Großbritannien kehrte 1997 in die Organisation zurück, doch die USA blieben draußen. Mit ihrer Rückkehr ist nur zu rechnen, wenn es dem künftigen Generaldirektor

gelingt, die Unzufriedenheit zahlreicher Mitglieder abzubauen.