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1500 Euro für die alte Klapperkiste

Von Christoph Rella

Wirtschaft

Verschrottungsprämie ist ab 1. April verfügbar. | Autohändler: "Aktion wird gut angenommen." | Gefragt sind vor allem günstige Kleinwagen. | Wiener Neustadt/Wien. Einsam steht der Toyota Corolla auf seinem angestammten Parkplatz unter der Payerbacher Südbahnbrücke. Auf den ersten Blick sieht der Wagen ganz gut aus. Lediglich die Karosserie weist mehrere Rostspuren auf und auf dem Dach und der Motorhaube sind hunderte kleine Dellen im Blech deutlich erkennbar. "Die kommen von einem Hagelschlag", erklärt der Besitzer Christian Dorn.


Passiert sei das Malheur vor zwei Jahren. "Gottseidank ist das Auto schon so alt. Denn viel hätte ich dafür nicht mehr bekommen", sagt er. Laut Zulassungsschein wurde der Wagen 1994 gebaut und gilt damit als Methusalem unter den Kraftfahrzeugen. Auch das Pickerl ist noch gültig. Und damit hat der 56-jährige Niederösterreicher bereits jene Kriterien erfüllt, um die kürzlich beschlossene "Ökoprämie" in der Höhe von 1500 Euro kassieren zu können. Dorn weiß, was er dafür tun muss. Der Neuwagen, ein Kia Cool, ist bereits bestellt. Und: Der alte Toyota wird verschrottet.

Während Käufer wie Dorn billiger zu ihrem neuen fahrbaren Untersatz kommen, profitieren auch die Fahrzeughändler. Die Prämie werde durchaus "gerne angenommen", bestätigt etwa der Obmann des niederösterreichischen Landesgremiums für Fahrzeughandel, Karl Hoffmann. Am Automobilmarkt sei eine Erholung spürbar, erzählt der Unternehmer, der selbst in Baden einen Autohandel betreibt. Zwar könne er keine exakten Zahlen nennen, aber "es geht klar bergauf".

Autos der Klein- und Mittelklasse seien besonders gefragt. Persönlich würden bis zu 20 Kunden am Tag Interesse an einen Neuwagenkauf zeigen oder wegen der Verschrottungsprämie nachfragen, berichtet Hoffmann. Verwundert ist er über deren falsche wie kuriose Vorstellungen: "Mache glauben, wegen der Krise aus uns noch das Letzte herauspressen zu können und fordern völlig abwegige Rabatte ein." Mehr als vier Prozent Preisnachlass seien allein wegen der niedrigen Margen nicht drinnen.

Außerdem darf man nicht den bürokratischen Mehraufwand vergessen, den die Verschrottungsprämie für die Händler mit sich bringt. Sascha Bauer vom Autohandel Kia Hönigmann in Wiener Neustadt bringt es auf dem Punkt: "Es ist nicht so, dass wir nur Fahrzeuge verkaufen. Wir müssen zusätzlich dafür Sorge tragen, dass die Altautos an den Verschrotter geliefert werden. Auch müssen wir als Händler alle Unterlagen zur Verfügung stellen und den Nachweis über die Verschrottung an das Finanzministerium schicken."

Erste Lieferschwierigkeiten

Auf die Überweisung des Geldes wird auch Christian Dorn in Payerbach wohl noch eine Weile warten müssen. Zufrieden blättert der Niederösterreicher im Kia-Katalog und präsentiert stolz ein Foto seines Neuwagens. 14.900 Euro wird der grau-metallic lackierte Pkw kosten. Bestellt hat Dorn den Mittelklassewagen bereits am 16. Februar. Der Händler habe ihm damals vier Prozent Rabatt gewährt. "Zusammen mit der Prämie hat mir das eine Ersparnis von mehr als 2000 Euro gebracht", rechnet der frisch gebackene Pensionist vor. "Ohne das Verschrottungsangebot hätte ich einen Gebrauchtwagen gekauft. So kommt mir die Prämie sehr gelegen."

Dass aber nicht jeder Auto-Verkauf so glatt abgeht, berichtet der ÖAMTC. Die Kosten der Prämie werden nämlich geteilt: 750 Euro zahlt der Staat, 180 der Autohändler, 500 die Autoimporteure und 70 Euro die Verschrotter. Die Verrechnung sorge jedoch mancherorts für Ärger bei den Kunden.

"Schon jetzt rufen verunsicherte Clubmitglieder an, denen Autohändler zwar die offizielle Prämie anbieten, den Anteil der Kfz-Wirtschaft dafür aber auf den Kaufpreis aufschlagen oder von einem bereits vereinbarten Rabatt wieder abziehen", erzählt ÖAMTC-Verkehrsexpertin Elisabeth Brandau. Sie fordert "dringend Spielregeln für die Händler, denn sonst wird jeder Besuch beim Autoverkäufer zu einem Roulettespiel".

Auf fragwürdige Tricks ist Wolfgang Rötzer vom Autohandel Dosenberger im Tiroler Neu-Rum nicht angewiesen. "Wir erleben eine relativ gute Entwicklung", erklärt der Händler, der vor allem Kleinwagen aus rumänischer Produktion vertreibt. Dass die Leute vermehrt billigere Autos kaufen, passt ihm sehr gut. Besonders begehrt sei der knapp 6490 Euro teure Dacia. Die hohe Nachfrage habe zu ersten Lieferschwierigkeiten geführt.

Aber man dürfe sich nicht täuschen lassen. In Wirklichkeit verdiene er trotz steigenden Volumens nicht mehr als früher, fügt Rötzer hinzu. Denn je billiger die Autos, desto geringer die prozentuell festgelegten Margen. Der Verkauf mancher Modelle bringt maximal 300 Euro herein. Damit müssen aber Vertrieb, Mitarbeiter und Stellflächen bezahlt werden.

Was kommt am Tag danach?

Was allen Händlern Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die Verschrottungsprämie zeitlich wie mengenmäßig limitiert ist. "Was wird sein, wenn die Aktion Ende August ausläuft und die kalkulierten 30.000 Neuwagen verkauft sind?", fragt sich Sascha Bauer in Wiener Neustadt. "Gibt es eine Nachfolgeregelung?" Er hegt den Verdacht, dass die meisten Kunden ohnehin ein Auto gekauft hätten und den Kauf nur vorziehen. Ein Indiz dafür sei, dass vor allem ältere Menschen jetzt neue Autos kaufen, während junge Leute in der Minderheit seien.

Für Christian Dorn spielt dieser Aspekt keine Rolle. Sein neuer Kia wird laut Vertrag in der ersten Aprilwoche ausgeliefert.