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1.700 Lehrlinge ohne Ausbildung

Von Werner Grotte

Wirtschaft

1.700 Lehrlinge suchen in Wien derzeit vergeblich einen Ausbildungsplatz - und das, obwohl die Zahl der "Suchenden" gegenüber dem Vorjahr bereits um 4,5 Prozent gesunken ist. Größter Ausbilder ist die Stadt Wien selbst mit zuletzt 174 Lehrabschlüssen pro Jahr, von denen zwar nur 80 Prozent in den Magistratsdienst übernommen werden können, der Rest aber aufgrund profunder Ausbildung gute Chancen am Arbeitsmarkt hat. Um genau diese Perspektiven gesichert zu wissen, fordert Bürgermeister Michael Häupl nun auch bundesweit "überbetriebliche Ausbildungsformen" für junge Leute.


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Die Stadt Wien bildet derzeit mehr als 800 Lehrlinge aus, die Wiener Stadtwerke 200, das sind insgesamt mehr als 1.000 oder 1,2 Prozent der Gesamtmitarbeiterzahl. "Im Vergleich sind es 210 oder 0,2 Prozent im Bundesdienst", zieht Wiens Personalstadträtin Sonja Wehsely Bilanz.

Aus dem Topf des Wiener Arbeitnehmer-Förderungs Fonds (WAFF) kommen heuer neun Mio. Euro zur Unterstützung Jugendlicher beim Berufseinstieg, fünf Mio. davon im Rahmen des JASG (Jugendausbildungs-Sicherungs-Gesetz). Wie Bürgermeister Häupl dazu betonte, müsse es "auch für jene einen Platz geben, die am ersten Arbeitsmarkt keine Chance gehabt hätten".

Weil angesichts 1.700 fehlender Lehrstellen dennoch kein Jubel angesagt ist, sind neue Ideen gefragt. "Über die Hälfte unserer Lehrlinge sind Mädchen, die wir nicht nur zu Bürokauffrauen ausbilden", so Wehsely, die die Mädchen dazu bewegen will, nicht nur den nach wie vor beliebtesten weiblichen Lehrberuf Friseuse anzustreben: "Ein Viertel der technisch-handwerklichen Lehrlinge, die die Stadt heuer aufgenommen hat, sind Mädchen, etwa bautechnische Zeichnerinnen oder Elektroinstallations-Technikerinnen". Bereits zehn Prozent der Wiener Rauchfangkehrer sind weiblich (siehe Bild).

Englisch in Berufsschulen

Über die immer wieder aufflammende Diskussion um Englisch-Unterricht in den Berufschulen "dürfe es eigentlich keine Diskussion geben", stellt Wehsely klar: Wien biete entsprechende Programme an. Seit 1994 werden etwa im Bereich Bürokaufmanns-Ausbildung einschlägige Sprach- und Ausbildungsaufenthalte in England, Malta und Irland durchgeführt, die bisher rund 300 Lehrlinge absolvierten.

Häupl bezeichnete gezielte öffentliche Unterstützung für ausbildende Betriebe ("Vorarlberger Modell") als "gerechte Alternative" gegenüber jenen Firmen, die ohne auszubilden von der Arbeit anderer profitieren. Darüber hinaus gelte es, bundesweit einen qualifizierten "überbetrieblichen Ausbildungsweg" zu schaffen und jungen Leuten "damit wieder eine Perspektive im Leben zu geben".