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"20 Prozent unerreichbar"

Von Brigitte Pechar

Politik

Stronach wirbt um Abgeordnete - Wahlforscher Bachmayer im Interview.


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Wien. Der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach muss auf die fixe Unterstützungszusage eines dritten Nationalratsabgeordneten noch warten. Der "wilde" Mandatar Robert Lugar (früher BZÖ) will sich nämlich vor Kenntnis des Parteiprogramms nicht festlegen, ob er die Stronach-Partei für eine Kandidatur bei der Nationalratswahl unterstützt. Sollte Stronach nicht drei Nationalratsabgeordnete für seine Sache gewinnen, bleibt ihm das Sammeln von 2600 Unterschriften in der Bevölkerung nicht erspart. Allerdings scheint auch das keine so große Hürde, wenn man bedenkt, dass für die Abhaltung eines Volksbegehrens 8000 Unterstützungen benötigt werden. Bisher haben zwei Mandatare fix zugesagt: Der aus der SPÖ ausgetretene Abgeordnete Gerhard Köfer und der Ex-BZÖ-Abgeordnete Erich Tadler.

So oder so dürfte Stronach die Voraussetzungen zur Kandidatur leicht schaffen. Allerdings, erklärte Wolfgang Bachmayer Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts OGM, gegenüber der "Wiener Zeitung", sollte er bei seinen Erwartungen "nicht übers Ziel schießen". Stronach hatte nämlich gemeint, er wolle bei der Nationalratswahl im kommenden Jahr 20 bis 30 Prozent erreichen. "Diese Erwartung ist überzogen, unerreichbar und kontraproduktiv", sagte Bachmayer. Damit bringe er sich in die Situation, dass er nächstes Jahr, "wenn die Umfragezahlen mehr Bodenhaftung haben", Erklärungsbedarf bekomme. Das Wählerpotenzial einer wirtschaftsliberalen Partei liege in Österreich bei 3 bis höchstens 5 Prozent, 6 Prozent wären für den Magna-Gründer und seine Partei also schon ein "hervorragendes Ergebnis. Da könnte er schon bei der Regierungsbildung mitreden", so Bachmayer.

"Fürchten" müssten sich vor Stronach BZÖ, FPÖ und ÖVP. Wenn Stronach "substanziell über die 4-Prozent-Marke kommt, also 6 bis 7 Prozent erreicht, wird es für das BZÖ schwierig". Allerdings könne man jetzt noch nicht sagen, wie viel Stronach vom BZÖ abziehen werde. Allfällige Neuwahlen in Kärnten könnten als Testballon herhalten. Mit dem SPÖ-abtrünnigen Spittaler Bürgermeister könnte Stronach dort - neben FPK- und ÖVP-Stimmen- auch Stimmen von der SPÖ abziehen. Bachmayer meint, dass Köfer ein Ergebnis im zweistelligen Bereich einfahren müsste, damit der Kärntner Testballon auch in den Nationalrat fliegt.

Wichtig wäre, so Bachmayer, dass Stronach sowohl "bei den Personen als auch bei den Themen breiter wird". Dieser solle sich nicht nur auf Personen konzentrieren, die ohnehin vor dem Verlust ihres Mandats stehen, rät der Meinungsforscher.