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20.000 Soldaten überwachen die Pilger in der heiligen Stadt Mekka

Von Andreas Gorzewski

Politik

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 werfen ihre Schatten auch auf die diesjährige islamische Pilgerfahrt nach Mekka (Hadj). Bis zum Beginn der Hadj-Zeremonien am 20. Februar rechnet Saudi-Arabien mit einem Anschwellen des Pilgerstroms auf zwei Millionen Menschen - doppelt so viele, wie während der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City erwartet werden. Für die Behörden stellen sich vor allem Logistik- und Sicherheitsprobleme.


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Angesichts der anti-amerikanischen Stimmung in weiten Teilen der islamischen Welt nach den US-Angriffen auf Afghanistan hat König Fahd bereits gewarnt, politische Demonstrationen würden nicht toleriert.

20.000 Soldaten und 1.755 Überwachungskameras sollen nach Angaben von General Ali el Bar, zuständig für die Sicherheit bei der Hadj, die Pilger im Auge haben. Nach Angaben der "New York Times" sammeln die Behörden an den Flug- und Seehäfen des Königreichs gezielt personenbezogene Daten. Eine US-Firma sei beauftragt worden, die unverwechselbaren Augenmerkmale ausgewählter Pilger digital zu erfassen.

Vorsicht scheint angebracht. So verbarrikadierten sich 1979 Gegner der saudischen Monarchie in der Großen Moschee von Mekka und nahmen Pilger als Geiseln. Bei der Befreiung kamen 153 Menschen im Kugelhagel ums Leben. Im Sommer 1987 ging die Polizei gewaltsam gegen eine unerlaubte Demonstration iranischer Pilger vor - mehr als 400 Menschen starben dabei. Weitaus mehr Menschen kamen jedoch bei den zahlreichen Unglücken während der Hadj ums Leben.

Um den Ansturm der frommen Pilger zu bewältigen, investieren die saudischen Herrscher Milliardenbeträge in die Infrastruktur. Zusätzlich wurde ein Quotensystem eingeführt. Für jeweils tausend Einwohner eines islamischen Landes wird nur ein Einreisevisum für die Pilgerfahrt erteilt.

Die Hadj mindestens einmal im Leben ist religiöse Pflicht für jeden Moslem, der es sich leisten kann. Während in früheren Jahrhunderten Räuber den frommen Pilgern in der Wüste auflauerten und die beschwerliche Anreise Monate in Anspruch nahm, kommen heute die meisten Pilger in organisierten Gruppenreisen. Vollklimatisierte Busse und komfortable Hotels gehören zum Standardangebot. Die Pilgerfahrt folgt seit knapp 1400 Jahren einem festen Muster: Im islamischen Monat Dhul Hidscha, der heuer in den Februar fällt, reisen die Gläubigen nach Mekka und hüllen sich in weiße Tücher. Zu den rituellen Handlungen der Hadj gehört das siebenmalige Umkreisen des würfelförmigen Gebäudes mit dem schwarzen Stein - der Kaaba - in Mekka. Höhepunkt ist das "Stehen" am Berg Arafat am 21. Februar. Der Überlieferung nach hielt der islamische Prophet Mohammed im Jahre 632 n. Chr. dort seine letzte große Predigt, bevor er wenig später verstarb. AFP