Zum Hauptinhalt springen

22 hatten österreichische Wurzeln

Von Heinz Jaksch

Wissen

Um Nobelpreisträger herrscht ein rechtes G'riss - und das nicht nur in den ehrwürdigen Hallen der Universitäten, Akademien und sonstigen Forschungseinrichtungen. Auch Staaten schmücken sich bekanntlich gerne mit Nobel-Laureaten. Schwierig ist allerdings die Zuordnung der Auserwählten zu einzelnen Nationen: Zählt der Geburtsort, der hauptsächliche Wohnort, die Staatsbürgerschaft oder der Schaffensort? Eine Recherche auf der Nobel-Homepage ergab 22 Preisträger mit österreichischen Wurzeln.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 22 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Seitens des schwedischen Nobel-Museums - wo man derartige Dokumentationen vermutet - gibt es keine offiziellen Statistiken, welche Länder wieviele Preisträger für sich reklamieren können. Abgesehen von der Schwierigkeit, solche Statistiken aufzustellen, hätten nationale Zugehörigkeiten den Stifter des Preises, Alfred Nobel (1833-1896) nie interessiert, hieß es dazu seitens des Museums.

Das Wissenschaftsmagazin "Bild der Wissenschaft" veröffentlichte in seiner Oktober-Ausgabe ein Nationen-Ranking - allerdings ohne Literatur-Nobelpreis - und beruft sich dabei auf das Nobelpreis-Komitee. Demnach führen die USA, was die Anzahl der Nobelpreisträger angeht, haushoch mit 199, es folgen Großbritannien mit 69 und Deutschland mit 63 Ausgezeichneten. Österreich liegt mit - nach dieser Zählweise - acht Laureaten zwischen Dänemark und der UdSSR auf Rang neun. Am Ende des Rankings findet sich Tunesien mit einem Medizin-Nobelpreisträger.

Tippt man dagegen den Begriff "Austria" in die Suchmaschine der offiziellen Nobelpreis-Homepage, kann man 22 österreichische Nobel-Laureaten zählen. Die Diskrepanz ergibt sich dadurch, dass bei dieser Suche auch Exil-Österreicher erfasst werden, die lediglich wenige Jugend-Jahre hier verbracht haben und dann auswanderten oder vertrieben wurden. Auch so genannte Altösterreicher, die in ehemaligen Kronländern der Monarchie geboren wurden, zählen dazu. Ein Spezialfall ist der 1981 ausgezeichnete, aus dem heutigen Bulgarien stammende Elias Canetti: er könnte als österreichischer Nobelpreisträger durchgehen, da er in Wien seine literarische Heimat hatte, nahm den Preis aber als britischer Staatsbürger entgegen.

Exzellente Mediziner

Der erste österreichische Medizinnobelpreisträger war der in Wien geborene Robert Barany (1876-1936), der den Preis 1914 für seine Arbeit über Physiologie und Pathologie des menschlichen Bogengang-Apparats im Ohr erhielt, mit der er die Grundlage für die Labyrinth-Chirurgie schuf. Julius Wagner-Jauregg (1857-1940) wurde 1927 für die Entdeckung der therapeutischen Bedeutung der Malariaimpfung bei der Behandlung der durch Syphilis ausgelösten progressiven Paralyse ausgezeichnet.

Der in Wien geborene Karl Landsteiner (1868-1943) wurde 1930 für die Entdeckung der Blutgruppen des Menschen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Otto Loewi (1873- 1961) erhielt 1936 gemeinsam mit dem Briten Henry Hallet Dale den Preis für die Entdeckungen der chemischen Übertragung der Nervenimpulse. Loewi wurde in Frankfurt (Deutschland) geboren und wirkte lange Jahre an Universitäten in Wien und Graz.

1947 erhielt der gebürtige Prager Cori Carl Ferdinand (1896 -1957), der viele Jahre an den Universitätskliniken in Wien und Graz lehrte, den Medizin-Nobelpreis in Anerkennung seiner Forschungen über den Kohlehydratabbau in der Muskulatur sowie für Arbeiten über Gewebsenzyme. 1973 wurde der gebürtige Wiener Konrad Lorenz (1903-1989 gemeinsam mit dem ebenfalls aus Wien stammenden Karl von Frisch (1886-1982) sowie Nikolaas Tinbergen (Großbritannien) für ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern - ziemlich überraschend - mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet.

2000 wurde der 1929 in Wien geborene Eric Kandel vom Zentrum für Neurobiologie und Verhaltensforschung an der Columbia Universität, New York, mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet. Kandel, der 1939 aus Wien fliehen musste, erhielt die Ehrung für seine Arbeiten über die Mechanismen der Gedächtnisbildung.

Den Chemie-Nobelpreis erhielt 1923 der 1869 in Laibach geborene Fritz Pregl (gestorben: 1930) für die von ihm entwickelte Mikroanalyse organischer Substanzen, wodurch die zur Analyse notwendige Menge an Substanz stark vermindert werden konnte. Pregl arbeitete vor allem an den Universitäten Graz und Innsbruck. 1925 wurde Richard Adolf Zsigmondy (geboren in Wien 1865, gestorben 1929) der Preis für die Aufklärung der heterogenen Natur kollodialer Lösungen ausgezeichnet. Kolloide sind feinverteilte Stoffe mit Teilchengrößen zwischen einem Tausendstel und einem Millionstel Millimeter.

Der gebürtige Wiener Richard Kuhn (1900-1967), der später in der Schweiz und in Deutschland arbeitete, erhielt 1938 den Nobelpreis für seine Arbeiten über Karotinoide (Pflanzenfarbstoffe) und Vitamine. Leopold Ruzicka (geboren 1887 in Vucovar) erntete den angesehensten Wissenschaftspreis der Welt 1944 gemeinsam mit dem Deutschen Adolf Butenandt. Der in Großbritannien lehrende, gebürtige Österreicher MaxFerdinand Perutz (1914-) wurde 1962 gemeinsam mit dem Briten John Cowdery Kendrew für ihre Studien über Strukturen der Globulinproteine mit dem Nobelpreis geehrt.

Hervorragende Physiker

Ebenfalls in Wien geboren ist Walter Kohn, der 1998 für die Entwicklung praktischer Methoden zur Berechnung der Zusammenhänge zwischen den Atomen großer Moleküle mit dem Nobelpreis bedacht wurde. Kohn musste als Jude 1939 vor den Nazis fliehen, er hatte ein Leben lang ein "gestörtes Verhältnis zu Österreich". Erst im Zuge der Feierlichkeiten um die Preisverleihung kam er auf Einladung von Wissenschafter-Kollegen der Technischen Universität (TU) Wien wieder in seine Geburtsstadt.

Mit dem Physik-Nobelpreis wurde 1933 Erwin Schrödinger (geboren 1887 in Wien, gestorben 1961) für die Entdeckung neuer produktiver Formen der Atomtheorie ausgezeichnet, 1936 erhielt Viktor Franz Hess (geboren 1883 in Schloss Waldstein, Steiermark, gestorben 1964) die Auszeichnung für die Entdeckung der kosmischen Höhenstrahlung. Der Physik-Nobelpreis 1944 ging an Isaac Isidor Rabi. Er wurde 1898 im damals zu Österreich gehörigen Raymanov geboren. 1945 wurde schließlich Wolfgang Pauli (geboren 1900 in Wien, gestorben 1958) mit dem Physik-Nobelpreis für die Entdeckung des nach ihm benannten Ausschlußprinzips ausgezeichnet. Demnach kann jeder durch eine Kombination von Quantenzahlen definierte Energiezustand der Elektronenhülle bestenfalls zwei Elektronen tragen, deren "Spins" einander entgegengerichtet sein müssen.

Wirtschaft und Frieden

Mit dem Wirtschafts-Nobelpreis wurde der gebürtige Wiener Friedrich August von Hayek (1899-1992) gemeinsam mit dem Schweden Gunnar Myrdal 1974 für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Geld- und Konjunkturtheorie und ihre Analysen der wechselseitigen Abhängigkeit von wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Verhältnissen geehrt.

Den Friedens-Nobelpreis erhielt 1905 Bertha von Suttner (geboren 1843 in Prag, gestorben 1914), 1911 wurde der in Wien geborene Journalist Alfred Hermann Fried (1864-1921) gemeinsam mit Tobias Michael Asser (Niederlande) mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.