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2,3 Cent über EU-Schnitt

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Drohung mit der Sondersteuer blieb unwirksam. | US-Ölpreis steigt. | Wien. Mit dem "Damoklesschwert" einer von Finanzminister Karl-Heinz Grasser angedrohten Sondersteuer für Ölkonzerne über dem Haupt erhöhten der Mineralölkonzern OMV und die führenden Mitbewerber am Donnerstag angesichts erneut gestiegener Rohöl- und Rotterdamer Produktennotierungen die Spritpreise in Österreich um zwei Cent pro Liter.


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Nachdem die österreichischen Spritpreise zuletzt erneut über dem EU-Durchschnitt lagen, wird die Drohung von Finanzminister Karl-Heinz Grasser aktuell, gegen die Mineralölkonzerne vorzugehen. Vorerst war nach Bekanntgabe der aktuellen Vergleichsdaten der EU-Kommission am Donnerstag aus dem Finanzministerium keine Stellungnahme erhältlich.

EU-Schnitt: Nettopreis höher, Steuer niedriger

Erst Ende vergangener Woche hatte Grasser jedoch seine Drohung verschärft, mittels einer Sondersteuer auf Sprit Gewinne der Mineralölkonzerne abzuschöpfen. "Wenn in Österreich die Öl-Nettopreise, also vor Steuern, über dem EU-Durchschnitt liegen, dann lässt es nur den Schluss zu, dass sich die Mineralölkonzerne hier zu Lande stärker auf dem Rücken des Konsumenten bedienen als anderswo", sagte der Finanzminister.

Wie aus der Erhebung der EU-Kommission von Montag hervorgeht, war Eurosuper zuletzt um 2,3 Cent je Liter teurer als im Durchschnitt der 25 EU-Staaten. Bei Diesel lagen die Preise ohne Steuer an den österreichischen Zapfsäulen um 0,8 Cent über dem EU-Mittel. Nur auf Grund der EU-weit großteils höheren Besteuerung zahlt man in Österreich eher weniger für Sprit. Im Vergleich zum Jahresbeginn ist Sprit in Österreich derzeit um rund ein Viertel teurer.

Erst am Freitag hatten die Mineralölkonzerne die Richtpreise für Superbenzin um zwei Cent angehoben, dann am Montag um einen Cent gesenkt. Die Einkaufspreise für Treibstoffprodukte an den Großmärkten in Rotterdam seien zuletzt stark gestiegen und zeigten "einen starken Trend" nach oben, so die OMV. Man habe ohnehin bereits "mit Verzögerung" reagiert.

In USA fehlen pro Tag 1,5 Mio. Barrel Benzin

Die amerikanischen Ölpreise haben am Donnerstag angesichts des andauernden Ausfalls zahlreicher Raffinerien sowie der gesamten Ölförderung im Golf von Mexiko ihren Vormarsch fortgesetzt. Rohöl zur Auslieferung im November legte im elektronischen Handel am New Yorker Warenterminmarkt Nymex auf 66,70 Dollar je Barrel (159 Liter) zu. Erdgas, das am Vortag wegen der Sorge über die Versorgungslage im Herbst und Winter bereits um fast 10 Prozent in die Höhe geschossen war, verteuerte sich nochmals um 1 Prozent. Nach Angaben der zuständigen US-Behörde MMS lag die Ölförderung im Golf von Mexiko, dem wichtigsten US-Fördergebiet, im Gefolge der Hurrikans noch vollständig brach, die Erdgasförderung zu 80 Prozent. Es waren noch immer drei Viertel der Ölplattformen und die Hälfte der Raffinierien außer Betrieb - es fehlen täglich 1,5 Mio. Barrel Benzin.

Totz ausreichender Reserven dürften die Ölpreise nach Einschätzung des Welt-Petroleum-Rates (WPC) langfristig auf hohem Niveau bleiben - eher bei 40 bis 60 als zwischen 20 und 40 Dollar, hieß es.

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