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23 Tote im Lager Jabalya

Von Ines Scholz

Politik

Jerusalem/Gaza - Jabalya, wo die israelische Armee am Montagabend, noch vor ihrem Einmarsch in Ramallah, 23 Palästinenser niedergeschossen hatte, ist mit 200.000 Bewohnern das größte Flüchtlingslager des Gazastreifens.


Israel vermutet dort eine Hochburg für Extremisten, erschossen wurden jedoch vor allem palästinensische Sicherheitskräfte. Unter den 50 bis 75 verletzten Einwohnern von Jabalya waren mehrere Zivilisten, ihnen wurde nach palästinensischen Angaben von der israelischen Armee die Zufahrt zum Krankenhaus im Flüchtlingscamp verwehrt. Nach Augenzeugen haben israelische Soldaten und Panzer das Lager zunächst umzingelt und sind dann im Schutze der Dunkelheit vom Norden her vorgerückt. Anschließend durchkämmten und zerstörten die Soldaten mehrere Häuser. In den frühen Morgenstunden des Dienstag zog die Armee aus Jabalya mit mehreren Verhafteten wieder ab. Über ihr Schicksal wurde nichts bekannt. Der palästinensische Chef-Unterhändler sprach von einem "Gemetzel" und "Kriegsverbrechen" der Sharon-Regierung.

In der Online-Ausgabe der italienischen Tageszeitung "La Repubblica" sind gestern Fotos veröffentlicht worden, die nach Angaben des Blattes ein israelisches Erschießungskommando bei der extralegalen Hinrichtung eines Palästinensers zeigen. Auf der aus sechs Einzelbildern bestehenden Fotosequenz sieht man, wie ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter sich auf offener Straße zunächst hinknien muss und dann aus einiger Meter Entfernung von einem Soldaten mit einer Waffe niedergestreckt wird. Anschließend wird der Tote ausgezogen und per ferngesteuertem Roboter auf Sprengstoff untersucht. Zwar waren weder Ort noch Zeitpunkt der angeblichen Hinrichtung angeführt, sollte die Fotoreihe aber authentisch sein, stellt dies eine klare Verletzung internationaler Rechtsnormen dar.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan berief eine öffentliche Sitzung des UN-Sicherheitsrats ein, bei der die Israelis und Palästinenser zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgerufen werden sollen.