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50 Länder außerhalb von Euroland dabei

Von Heike Hausensteiner

Europaarchiv

Die europäische Einheitswährung wird nicht nur auf die zwölf Euro-Mitgliedsländer beschränkt bleiben. Unter anderen haben afrikanische Länder, die ehemalige europäische Kolonien sind, ihre nationale Währung an den Euro gekoppelt. Die EU-Kandidatenländer werden nach ihrem Beitritt bis zu fünf Jahre auf die Gemeinschaftswährung warten müssen.


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"Mindestens zwei Jahre" werde es dauern, bis die neuen ost- und mittelosteuropäischen EU-Mitgliedstaaten auch der Wirtschafts- und Währungsunion beitreten werden können, rechnet der Euro-Berichterstatter des Europäischen Parlaments, ÖVP-EU-Abg. Othmar Karas. Wahrscheinlich werde es aber vier bis fünf Jahre brauchen, bis die neu in die EU aufgenommenen Staaten den Euro einführen werden können.

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erinnert Karas an die - im EU-Vertrag von Maastricht - festgelegten Kriterien: Die jetzigen EU-Beitrittswerber müssen erst ihr Haushaltsdefizit auf unter drei Prozent senken und "ihre Volkswirtschaften sanieren". Die Inflationsraten müssen an die preisstablisten drei Euro-Länder angeglichen werden (bis auf 1,5 Prozentpunkte). Jedenfalls zwei Jahre lang müssen die Länder Teil des Europäischen Wechselkursmechanismus gewesen sein und den Wechselkurs ihrer Währung stabil gehalten haben.

Maastricht-Kriterien

Abgesehen davon, sind Strukturreformen und ein funktionierender Bankensektor, Börsen sowie Finanzdienstleistungen notwendig. Die EU-Beitrittskandidaten selbst, namentlich Slowenien und Ungarn, rechnen sich aus, bereits 2006 oder 2007/2008 Mitglied der Währungsunion zu sein.

Bereits Euro-gebunden

Einige der osteuropäischen Reformländer haben ihre Währung bereits direkt oder indirekt an den Euro gebunden. Etwa Ungarn, Tschechien oder die Slowakei lassen ihre Währung in einer bestimmten Bandbreite um den Eurokurs schwanken ("managed floating"). Andere Länder orientieren sich an einem "Währungskorb" oder an den Sonderziehungsrechten, an denen der Euro enthalten ist.

Der Euro spielt als Ankerwährung bei der Wechselkursumrechnung von 50 Ländern außerhalb des Euroraumes eine Rolle, meint Otmar Issing, Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Fürstentum Monaco, der Pyrenäenstaat Andorra, die Republik San Marino und der Vatikan dürfen den Euro als offizielle Währung verwenden. In den zum französischen Staatsgebiet gehörenden Übersee-Départements Französisch-Guyana, Guadeloupe, Martinique und La Réunion gilt der Euro so wie im "Mutterstaat"Frankreich bereits als Buchgeld und wird ab 1. Jänner 2002 gesetzliches Zahlungsmittel. Der EU-Rat hat auch den französischen Territorialgebieten Mayotte (Komoren, im Indischen Ozean) und St.-Pierre-et-Miquelon (vor Neufundland) den Euro als Währung erlaubt. In den französischen Überseegebieten in der Südsee (Neukaledonien, Französisch-Polynesien, Wallis et Futuna) gilt weiterhin der "Pazifik-Franc" (CFP). Dieser wurde zu einem Fixsatz an den Euro gekoppelt.

Frankreich und Portugal dürfen bestehende Vereinbarungen mit Drittländern über die garantierte und uneingeschränkte Konvertierbarkeit der jeweiligen lokalen Währung zu einem fixen Austauschverhältnis fortsetzen. Dazu gehören in Afrika Äquatorial-Guinea, Benin, Burkina-Faso, Elfenbeinküste, Gabun, Guinea-Bissau, Kamerun, Kap Verde, Komoren, Mali, Niger, Republik Kongo, Senegal, Togo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik.

Einige Länder, wie Bosnien-Herzegowina, Montenegro oder Kuba, haben ihre Währung durch eine einseitige Erklärung an den Euro gebunden.