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50-Millionen-Bau für Forschung

Von Eva Stanzl

Politik
Auf diesem Abrissgelände in Neu Marx soll bis 2017 das neue Gebäude des Instituts für Molekulare Pathologie stehen.
© Ziegler/IMP/ATP

Molekularbiologen des IMP bekommen neues Institutsgebäude auf dem Campus Vienna Biocenter.


Wien. Wo derzeit nur Kies und Abrissgeröll liegt, sollen künftig Wissenschafter Zellhaufen in Petrischalen unter die Lupe nehmen. Der in der deutschen Stadt Ingelheim beheimatete, weltweit tätige Pharmakonzern Boehringer baut auf dem Campus Vienna Biocenter im Stadtteil St. Marx im 3. Bezirk ein neues Forschungsgebäude für molekularbiologische Forschung. Ab 2017 sollen auf fünf Stockwerken in der Viehmarktgasse 300 Forscher, die derzeit um die Ecke im Institut für Molekulare Pathologie (IMP) tätig sind, ein neues Arbeitsumfeld erhalten. Boehringer Ingelheim nimmt für den Neubau 50 Millionen Euro in die Hand.

Zum Hintergrund: Das 1988 eröffnete IMP war das erste Laborgebäude des heute international renommierten Vienna Biocenter. Um seine Forschungsaktivitäten - damals zu gentechnisch hergestelltem Insulin - nach Wien auszuweiten, mietete der deutsche Pharmariese das Gebäude der ehemaligen Hornyphon-Werke von Philips, die früher Transisterradios erzeugten, von der Stadt. Boehringers Bedingung für die Adaptierung der Fabrik als Labor war die zusätzliche Gründung zweier Institute der Uni Wien. Nur durch die Schaffung kritischer Masse konnte ein Forschungscampus erwachsen.

Krebs, Parkinson, Alzheimer

Heute betreiben am IMP Wissenschafter aus aller Welt Grundlagenforschung zu neuartigen Medikamenten gegen Krebs, Parkinson oder Alzheimer. Auf dem Campus haben sich etliche Forschungsinstitute und Spin-Off-Unternehmen angesiedelt.

Unterdessen ist das Gebäude der ehemaligen Radiofabrik in die Jahre gekommen. "Angesichts zunehmender Technologisierung sind die Anforderungen der Forschung gestiegen", erklärt IMP-Sprecher Stefan Bernhardt. Im alten Haus seien vibrationsfreie Räume für die Mikroskopie auf allen Stockwerken verstreut, Raumaufteilung und Raumordnung befänden sich an ihren Grenzen. "Das neue Haus wird flexibel gestaltbar sei. Zudem schaffen wir Platz für Informatik, die aus der Molekularbiologie nicht mehr wegzudenken ist, in der Nähe der Labors", sagt Bernhardt.

Boehringer Ingelheim hat das Areal vom Österreichischen Krankenanstaltenverband gekauft, der dort eine Lagerhalle unterhielt. Die Pläne der Innsbrucker Architekten ATP sehen auf insgesamt 15.000 Quadratmetern Grundfläche neben Laboratorien einen Vorlesungssaal, eine neue Kantine und eine Brücke zum Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor.

Seit seiner Gründung erhält das IMP seine gesamte Basisfinanzierung von Boehringer Ingelheim. Die in 140 Gesellschaften gegliederte Pharmafirma steuert außerdem 20 Millionen Euro jährlich für Projekte der Grundlagenforschung bei. Zusätzliche 8 Millionen Euro werben die Forscher von Drittmittelgebern selbst ein. "Das IMP hat sich einen Fixplatz unter den führenden Instituten der molekularbiologischen Forschung erarbeitet. Diese Leistung würdigt Boehringer mit dem neuen Gebäude", erklärt Philipp von Lattorff, Generaldirektor des Boehringer Ingelheim Regional Center Vienna. Es handle sich um eine langfristige Investition des Konzerns, dessen Erfolg auf freier Grundlagenforschung zum Verständnis biologischer Prozesse beruhe: "Wir stärken damit den Forschungsstandort Wien in der Unternehmensgruppe", so Lattorff. In den vergangenen zehn Jahren hat Boehringer 1379 Studien mit 119 Substanzen in 94 Ländern durchgeführt oder finanziert.

Das alte IMP-Gebäude soll künftig im Dienste der Weiterentwicklung des Campus Vienna Biocenter stehen. Zur Diskussion stehen ein Gründerzentrum für Jungunternehmer, die ihre Forschungsergebnisse in Richtung Produkte weiterentwickeln wollen, oder die Vermietung der Räume an Biotech-Unternehmen.