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6 aus 47 - Ex-Hypo-Investoren ziehen wegen Kontenöffnung vor Gericht

Von Stefan Melichar

Wirtschaft

Auch der Chef der Investorengruppe, Tilo Berlin, legt Beschwerde ein. | Graz/Wien. 46 Investoren hatte der Vermögensverwalter Tilo Berlin 2006 und 2007 um sich geschart, um seinen Einstieg bei der Kärntner Hypo Alpe Adria zu finanzieren. Nun gehört er zu jenen, die wegen einer - im Dezember 2010 erfolgten - Öffnung ihrer Konten durch die Justiz vor Gericht gezogen sind.


Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" bestätigte das Oberlandesgericht Graz am Mittwoch, dass bisher Beschwerden von insgesamt sechs ehemaligen Hypo-Investoren wegen der Kontenöffnungen vorliegen. Darunter befinden sich unter anderem die Firma Berlins sowie das Beteiligungsunternehmen eines Wiener Rechtsanwalts (Name der Redaktion bekannt).

Wie aus dem Kontenöffnungsbeschluss des Amtsgerichts München - der nach Bewilligung eines Rechtshilfeersuchens von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt vollstreckt worden ist - hervorgeht, erhielt die Firma des Anwalts im Jahr 2008 von jener Berlins insgesamt rund 23 Millionen Euro. Da der Anwalt laut Bilanz 2007 genau 15 Millionen Euro in Wertpapiere und Anteile investiert hatte, dürfte sein Gewinn aus dem Berlin-Hypo-Deal acht Millionen Euro ausmachen.

Insgesamt lukrierte die Berlin-Gruppe durch den Verkauf von Hypo-Anteilen an die BayernLB im Jahr 2007 innerhalb weniger Monate einen Gewinn von 182 Millionen Euro. Die Münchner Justiz geht dem Verdacht nach, dass die BayernLB möglicherweise bewusst zu viel gezahlt hat. Mittels der Kontenöffnungen soll überprüft werden, ob es versteckte Rückflüsse an damalige Manager der BayernLB gegeben hat.

Weiterer Verdacht

Ermittelt wird auch, ob die BayernLB bewusst darauf verzichtet hat, den Kauf der Hypo-Mehrheit rechtzeitig platzen zu lassen. Zur Erinnerung: Am 22. Mai 2007 wurden die Kaufverträge unterzeichnet, abgewickelt wurde der Deal jedoch erst am 9. Oktober 2007. In der Zwischenzeit sei, laut Münchner Justiz, der Markt für strukturierte Wertpapiere in der aufkeimenden Finanzkrise erstmals vollständig zusammengebrochen. Die Hypo habe 400 Millionen Euro an derartigen Papieren in ihren Büchern gehabt. Dennoch habe die BayernLB nicht vom Vertrag Abstand genommen. Dies wäre möglich gewesen, weil die kroatische Nationalbank zunächst ihre Zustimmung zum Mehrheitserwerb durch die Bayern verweigert hatte. Sie stimmte einem neuen Antrag erst nach Erfüllung umfangreicher Auflagen zu. Dieser Antrag wäre gestellt worden, obwohl der Wert der Hypo "erheblich nach unten zu korrigieren" gewesen wäre, so die Argumentation der Ermittler.

Allerdings hatten sich die Bayern vertraglich dazu verpflichtet, die nötigen Genehmigungen einzuholen und "zumutbare" Auflagen zu akzeptieren. Alle Betroffenen bestreiten jegliches Fehlverhalten, es gilt die Unschuldsvermutung.