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680 Bewerber für 5 Stellen

Von Eva Stanzl

Wissen
Kürzlich eröffnetes Labor-Gebäude beherbergt Neurowissenschaften und Physik.
© IST/Roland Ferrigato

Präsident Henzinger: Langfristige Finanzierung auch für andere Institute.


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Wien. Als "wichtiges Jahr" für das Institute of Science and Technology (IST) Austria bezeichnete dessen Präsident Thomas Henzinger 2012 am Dienstagabend vor Journalisten. Er verwies auf die heuer gesicherte langfristige Finanzierung des Instituts bis 2026, betonte jedoch: Gute Grundlagenforschung müsse "auch anderswo in Österreich langfristig finanziert werden, da gibt es Nachholbedarf". Der Informatiker Henzinger wurde jüngst für eine zweite vierjährige Amtszeit wiederbestellt.

Die langfristige Finanzierungszusage von Bund und Land von 1,4 Milliarden Euro für 2017 bis 2026 erlaube, "das Institut zu einer kritischen Größe von 90 bis 100 Professoren und 900 bis 1000 Wissenschaftern auszubauen". Dies sei eine Größe, "wo niemand mehr fragt, ob eine langfristige Zukunft sichergestellt ist". Die Sicherheit dürfte sich herumgesprochen haben, denn für "höchstens fünf" in Fachpublikationen ausgeschriebene 2013 zu besetzende Assistenz-Professoren-Stellen hätte es 680 Bewerbungen gegeben. Von 150 wurden Referenzen eingeholt, nur einige wurden eingeladen. "Ich glaube, dass wir mittlerweile einen guten Ruf haben", sagt Georg Schneider, seit Anfang Dezember neuer Geschäftsführer des IST Austria, zur "Wiener Zeitung". Über die Stellenvergabe berät ein Professoren-Komitee, die Entscheidung trifft der Präsident.

Das IST eröffnet sich neue Fachgebiete im neuen Jahr. Durch sechs Neuberufungen erweitert das bisher auf Computerwissenschaften und Biologie konzentrierte Institut seinen Fokus auf Physik, Mathematik und Pflanzenbiologie. Derzeit arbeiten 250 Mitarbeiter am Campus im niederösterreichischen Maria Gugging. 28 Professoren sind unter Vertrag, sieben von ihnen werden 2013 die Arbeit aufnehmen.

Ein neues, kürzlich eröffnetes Labor-Gebäude bringt Neurowissenschaften und Physik unter ein Dach. Mit Björn Hof kommt ein Experimentalphysiker an das IST. Neu berufen wurde auch der Mathematiker Ulli Wagner. Das IST sucht weiterhin nach Spitzenforschern "egal welcher Fachrichtung", so Schneider: "Natürlich müssen sie zu uns passen. Aber wenn jemand sehr gut ist, versuchen wir, ihn an das Institut zu ziehen." Bis Ende 2013 soll das IST 350 Mitarbeiter haben. 2015 soll dann das "Lab Building West" für Labors und Theoretische Wissenschaften eröffnet werden. Bauten und Gebäude-Management werden vom Land Niederösterreich bis 2026 mit kumuliert 508 Millionen unterstützt. Das jüngst eröffnete Laborgebäude ging mit 25 Millionen zu Buche. "Niederösterreich hat Interesse an einem Institut, das ihm als Erfolg zugeschrieben wird", kommentiert Schneider die Spendierfreudigkeit des Landes, die auch in einem Technologiepark gegenüber des Campus Form finden soll. Hier sollen sich Firmen ansiedeln, später sollen Spin Offs dazukommen, die auf Erkenntnissen des IST beruhen.

Der Standort gibt Zugriff auf das Humankapital des Instituts. "Nur ein geringer Prozentsatz unserer Post Docs wird eine weiterführende akademische Karriere machen, sehr viele werden in die Industrie gehen. Die Firmen erwarten einen konstanten Strom an bestausgebildeten Leuten, die sechs Jahre als Post Doc an sehr konkreten Problemen gearbeitet haben", erklärt Schneider. Vorbild sei die ETH Zürich, die Unternehmen aus aller Welt in die Stadt am Zürcher See lockt. Mit ersten Firmenansiedlungen in Maria Gugging wird allerdings erst in einigen Jahren gerechnet.

Einwerbung von Drittmitteln

Viel Arbeit steht dem IST beim Einwerben von Drittmitteln bevor. Bis 2016 fließen 420 Millionen Euro öffentliche Mittel in das Institut. Vom Bund kommen 290 Millionen, bis zu 95 Millionen davon aber nur, wenn das IST Drittmittel in gleicher Höhe einwirbt. Bisher konnten die Professoren mehr als zehn Millionen Euro in Form der ERC Grants des Europäischen Forschungsrats einwerben, weitere 17 Millionen flossen aus Spenden und Unterstützungen von Unternehmen. Wenn das IST den vollen Bundeszuschuss einnehmen will, muss es bis 2016 noch 65 bis 68 Millionen Euro einwerben. Schneider gibt sich zuversichtlich: "Seit der Eröffnung 2009 haben 22 Gruppen die Arbeit aufgenommen. Bis 2016 werden es 45 sein, was den Hebel erhöht." Etwa bringt Björn Hof gleich einen ERC-Grant mit.