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80 Prozent für Obama

Von WZ-Korrespondentin Christine Zeiner

Politik

Die deutsche Bevölkerung hätte mit großer Mehrheit für Obama gestimmt.


Berlin. Barack Obama kommt! Die Aufregung in der Bundeshauptstadt war gewaltig. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten wollte im symbolträchtigen Berlin sein außenpolitisches Profil schärfen und über transatlantische Beziehungen sprechen. Mehr als 200.000 Menschen drängten sich schließlich im Juli 2008 an der Siegessäule - wie einem Heilsbringer wurde Obama zugejubelt.

An der Begeisterung für ihn hat sich nichts geändert. Hätten die Deutschen den US-Präsidenten gewählt, hätten 80 Prozent für Obama stimmen. Nur 3 Prozent sprachen sich laut dem Institut für Demoskopie Allensbach für den Kandidaten der Republikaner, Mitt Romney, aus.

Offiziell: Verhältnis mit Romney wäre genauso gut

Anders als die Bundesbürger es tun, hielt sich die Regierung bei dem Thema Wunschpräsident freilich zurück. Man werde mit jedem gewählten amerikanischen Präsidenten gut arbeiten, sagt Harald Leibrecht (FDP), Koordinator der Bundesregierung für die transatlantischen Beziehungen, im Deutschlandfunk. Das transatlantische Verhältnis sei "sehr gut" und würde auch unter Romney nicht schlechter. Dass sich Obama sehr stark Richtung Asien orientiere, müsse nicht zum Schaden sein: "Wir sollten gemeinsam mit den USA diese neuen Märkte erschließen und gemeinsam Standards setzen."

Für Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik und Autor des kürzlich erschienenen Buchs "Der amerikanische Patient", steht indes fest, dass die Vereinigten Staaten von Amerika aufgrund massiver innerer Schwierigkeiten und der eingeschränkten Handlungsfähigkeit künftig Lasten abwälzen und ihre Eigeninteressen rücksichtsloser durchsetzen werden.

Nur im Bereich Sicherheit hat der Präsident alle Macht

Braml argumentiert so: Nur im Bereich Sicherheitspolitik hat der US-Präsident alle Machtressourcen. In der Wirtschafts-, Handels-, Energie- und Umweltpolitik ist er dagegen in seiner Handlungsfähigkeit sehr eingeschränkt - und von den Entscheidungen in beiden Kammern des Kongresses abhängig. "Stellen Sie sich also auf eine noch heftigere Lastenteilungsdebatte in der Nato ein, rechnen Sie mit Protektionismus und eine Lastenabwälzung über die Währungspolitik", sagt Braml zur "Wiener Zeitung".

Wenn die US-Notenbank - als "einzig handlungsfähige Institution in Washington" - weiterhin frisches Geld in Umlauf bringe, komme auch der Dollar unter Druck, meint Braml. Das entwerte die Forderungen ausländischer Gläubiger, die in US-Staatsanleihen investiert haben.

Außenpolitisch spielte es laut Braml somit keine große Rolle, ob Obama oder Romney gewinnt.