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822 kosovarische Geiseln in serbischen Gefängnissen

Von Maxhide Hasani

Politik

Nach Angaben des Internationalen Roten Kreuzes befinden sich in den serbischen Gefängnissen immer noch 822 kosovarische Gefangene. Nicht geklärt ist das Schicksal jener 2.500 Kosovaren, die von der jugoslawischen Armee mitgeschleppt wurden und daher als verschollen gelten. Ohne die Freilassung dieser Gefangenen und ohne Aufklärung des Schicksals der Vermissten wird kein Zusammenleben im Kosovo möglich sein.


Den Serben scheinen 17 Monate nach dem Krieg und einige Wochen nach der Wiederaufnahme Jugoslawiens in die UNO die Massengräber, in denen etwa 11.000 ermordete Kosovaren verschiedenen Alters liegen, keine Sorgen zu bereiten. Sie halten vielmehr noch weitere 822 Kosovaren in ihren Gefängnissen fest.

1.050 Jugendliche und Männer verschleppt

Aus Gjakova und Umgebung wurden 1.050 Jugendliche und Männer am 10. Mai 1999 von der jugoslawischen Armee aus ihren Betten und Höfen verschleppt. Den Frauen und Kindern wurde befohlen nach Albanien zu gehen.

Seit diesem Tag gibt es keine Nachrichten über diese Menschen. Solche Untaten verübten die Serben auch in den Dörfern Krusha e Vogel und Krusha e Madhe der Gemeinde Rahovec.

Am 5. Mai 1999 trennten die serbischen Militärs Männer und Jugendliche von ihren Frauen und Eltern und verschleppten sie in eine bisher unbekannte Richtung. Auch aus fast jeder Gemeinde des Kosovo wurden Menschen verschleppt.

Mütter und Waisenkinder demonstrieren in Pristina

Die Mütter, die Waisenkinder und die Verwandten protestieren Woche für Woche vergeblich in Gjakova und Pristina, wo die Internationalen Organisationen ihren Sitz haben, deren Aufgabe es wäre, zu helfen.

Aus den Gefängnissen freigekaufte Kosovaren

Früher war Merdar an der Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien ein Erholungsort und ein Treffpunkt für die Verliebten. Jetzt kommen hierher fast täglich 2 bis 3 mit hohen Geldsummen freigekaufte Kosovaren aus den serbischen Gefängnissen. Das Schicksal der anderen Verschollenen und Gefangenen bleibt jedoch ungewiss. Dieser Tage wurde die kosovarische Ärztin und Humanistin Flora Brovina freigelassen und anlässlich des Internationalen Tages der Menschenrechte am 10. November mit dem Preis für Zivilcourage der Heinrich Böll-Stiftung ausgezeichnet. Sie war von den serbischen Behörden zu 12 Jahren Gefängnis wegen "Schwerer Verbrechen und Terrorismus" verurteilt worden. Eine Woche vorher wurde auch der 16jährige A. Podvorica freigelassen, der - damals noch 14 Jahre alt - aus einer Flüchtlingskolonne zwischen Pristina und Podjeva herausgerissen worden war.

Sorge um die Gesundheit der gefangenen Kosovaren

Die größte Sorge der Angehörigen und der ganzen kosovarischen Öffentlichkeit gilt den schlechten Lebensbedingungen und dem schlechten Gesundheitszustand der kosovarischen Gefangenen, aber auch den Gefahren, denen sie täglich ausgesetzt sind.

Am 5. Oktober rebellierten im Gefängnis von Sremska Mitrovica die serbischen Häftlinge, wobei sie die Zellen der 180 kosovarischen Gefangenen in Brand steckten. Nach Agenturberichten wurden die Kosovaren an einen unbekannten Ort evakuiert.

Die Geduld der Betroffenen ist erschöpft

In den letzten Wochen wurde Pristina zu einer Protestarena. Die Frauen aus Krusha e Madhe und Krusha e Vogel demonstrierten gegen das Versäumnis der Internationalen Organisationen, die Gefangenen und Verschollenen ausfindig zu machen. Sie traten in den Hungerstreik. Es protestierten aber auch die Angehörigen der Verschollenen aus Gjakova. Den Demonstranten schlossen sich zahlreiche Bürger aus allen Städten des Kosovo an. Die Geduld der Betroffenen scheint erschöpft.