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900 Arzneimittel teurer

Von Katharina Schmidt

Politik

BZÖ fordert Stopp bei Arzneipreisen. | Apotheken: Geben Steuersenkung zu 100 Prozent weiter. | Stöger will mit Pharmafirmen reden. | Wien/Hallein. Einen Preisstopp bei Medikamenten fordert das BZÖ, das sich am Dienstag zu einer zweitägigen Klubklausur unter dem Motto "Mehr Gesundheit um weniger Geld" in Salzburg eingefunden hat. Laut Klubchef Josef Bucher nutzen die Pharmafirmen nämlich die Halbierung der Mehrwertsteuer auf Medikamente (seit 1. Jänner fallen nur mehr 10 statt 20 Prozent an) dazu aus, die Preise kräftig anzuheben. So seien 877 Arzneimittel mit Jahresanfang teurer geworden.


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Die Apothekerkammer kann diese Zahl zwar bestätigen, verweist aber darauf, dass es sich dabei nur um 6,7 Prozent aller mehr als 13.000 erhältlichen Medikamente handle. Heuer seien auch nicht mehr Medikamente teurer geworden, als in den Vorjahren.

Außerdem sei die Erhöhung "zum sehr großen Teil so geringfügig ausgefallen, dass sie unter der Mehrwertsteuersenkung liegt", erklärt Jutta Pint von der Kammer. Heißt im Klartext: Bei 677 Medikamenten wurde der Preis so erhöht, dass der Kunde nicht mehr zahlt als im Vorjahr. Oder anders ausgedrückt: Die Pharmabranche hat die - politisch beabsichtigte - Verbilligung der Medikamente in die eigene Tasche umgeleitet.

Bei den restlichen 200 teurer gewordenen Arzneimitteln fiel die Steigerung umso empfindlicher aus: Für eine Tube Vitawund-Crème zahlt man heuer 5,15 statt 4,35 Euro. Auch Reisekranke müssen mehr in der Apotheke ausgeben: Eine Packung Travelgum ist sogar empfindlich teurer geworden (von 5,35 auf 7,25 Euro). Andererseits ist etwa Aspirin C (von 8,90 auf 8,15 Euro) billiger geworden.

Aus dem Gesundheitsministerium heißt es dazu, dass Ressortchef Alois Stöger "nur wegen Reisekaugummis sicher keinen Preisstopp verhängen" werde. Allerdings dürfe es auch keine unverhältnismäßig starken Preissteigerungen geben, so Stöger-Sprecher Thomas Geiblinger. Zumal immer mehr Geld in die Werbung, aber immer weniger in die Forschung fließe. Stöger werde jedenfalls Gespräche darüber mit der Pharmaindustrie führen.

Die Apotheker betonen, dass die Preissteigerungen ausschließlich auf das Konto der Hersteller gehen. "Wir machen die Preise nicht", sagt Pint. Und: Die Steuersenkung werde vollständig an die Kunden weitergegeben.

Die Pharma-Interessenvertretung Pharmig weist die Vorwürfe jedenfalls zurück - mit dem Hinweis auf die gestiegenen Produktionskosten.