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9/11: Was geschah wirklich?

Von Peter Bochskanl

Wissen

Ungereimtheiten und zahllose wilde Spekulationen. | Wie New Yorker diesen Tag erlebten.


Am 11. September 2001 rasten zwei entführte Verkehrsmaschinen in die Türme des World Trade Center in New York, eine dritte ins Pentagon in Washington, die vierte zerschellte in Pennsylvania: Beim folgenden Einsturz der WTC-Türme und in den Flugzeugen starben fast 3000 Menschen. Über die Ursachen gibt es eine offizielle Version und angesichts zahlreicher Ungereimtheiten zahllose Spekulationen, die nun zum zehnten Jahrestag der schockierenden Katastrophe in großer Zahl auf den Buchmarkt drängen.

Die offizielle Version, die von großen Medien kaum hinterfragt wurde und wird, behauptet, dass der - rechtzeitig (?) vor dem Jubiläum für immer verstummte - "Terrorpate" Osama bin Laden die Aktion der arabischen Selbstmordattentäter geplant und gesteuert habe. Diese stellen nun der frühere deutsche Bundesminister Andreas von Bülow sowie der "taz"-Redakteur und "Zeit"-Kolumnist Mathias Bröckers gemeinsam mit dem freien Journalisten Christian C. Walther in ihren Büchern als Verschwörungstheorie der US-Regierung in Frage.

Beide Bücher legen dem Leser den Schluss sehr nahe, dass die US-Administration nicht nur die Gelegenheit der Anschläge beim Schopf gepackt habe als Rechtfertigung für die längst vorher geplanten Kriege gegen Afghanistan und den Irak. Sondern dass auch die US-Geheimdienste mit Wissen von Regierungsmitgliedern irgendwie in die Vorbereitung und Durchführung der Anschläge verstrickt gewesen seien - mit dem Ziel, die Vorherrschaft der USA und den Zugriff auf das Nahost-Erdöl zu sichern. Bülow: "Ohne geheimdienstliche Unterstützung war eine solche Operation nicht durchzuführen."

Die Autoren wollen die mangelhafte Untersuchung der Vorfälle, die Sperre zahlreicher Dokumente und das Verschwinden von Beweismitteln nutzen, um das offizielle Argumentationsgebäude zum Einsturz und einen neuen Prozess der Wahrheitsfindung in Gang zu bringen. Sie fädeln die zahllosen Widersprüche und Vertuschungen minutiös und geschickt auf ihre Argumentationsketten, deren Glaubwürdigkeit aber dem Urteil jedes einzelnen Lesers überlassen werden muss.

Die aufgeworfenen Fragen sind überaus zahlreich und zum Teil recht brisant: Warum konnten alle Nachrichtenkanäle Osama bin Laden als den Schuldigen benennen, als die beiden Türme noch standen, und wenig später die genaue Liste der Selbstmordattentäter veröffentlichen? Wie konnten mangelhaft an Kleinflugzeugen ausgebildete Terroristen die großen Maschinen so exakt in die Türme steuern?

Wurden die Jets vom später auch eingestürzten kleineren Objekt 7 neben den Türmen ferngesteuert in ihre Ziele gelenkt? Warum konnten Spekulanten schon die Tage vor dem Anschlag für massive Verkäufe von Aktien der Firmen in den Türmen nutzen, die sie nach den Kursstürzen billig zurückkauften und Millionengewinne einstrichen?

Warum hat Osama bin Laden seine Täterschaft umgehend geleugnet, und sind dann (getürkte?) Videos aufgetaucht, die sich als Bekenntnis interpretieren lassen? Fragen über Fragen, von denen wohl die meisten auch in der Zukunft nicht beantwortet werden, weil die Mächtigen in Politik und Wirtschaft zumindest kein Interesse daran haben. Beide Bücher sind so spannend, dass man sie in einem Zug lesen will: das von Bülow wirkt seriöser, das von Bröckers/Walther zumindest sprachlich polemischer.

Um keine Vermutungen, Spekulationen und Verschwörungstheorien, sondern um erlebte Fakten geht es in "Wo warst Du? - Ein Septembertag in New York" des deutschen Journalistenehepaares Anja Reich und Alexander Osang. Sie lebten damals mit ihrer Familie in New York, wo Osang als "Spiegel"-Reporter stationiert war.

Nacherlebte Todesangst

Der Autor schildert, wie er den Einsturz der Türme hautnah erlebt hat und gerade noch mit dem Leben davongekommen ist. In seiner knappen und bilderreichen Sprache lässt er den Leser den Schrecken und die Todesangst dieses Tages nacherleben. Er hatte sich gerade noch in den Keller eines nahen Hauses retten und so dem Erstickungstod in der Staubwolke entgehen können. In dem Buch wechseln seine Erzählungen mit jenen seiner Frau ab, die auch die riesige Staubwolke gesehen hatte und mit ihren Kindern bange Stunden durchlebte, ehe sie vom Überleben ihres Mannes informiert wurde.

SachbücherAndreas von Bülow: Die CIA und der 11. September. Piper, 331 Seiten, 10,30 Euro.<br style="font-style: italic;" /> Mathias Bröckers, Christian C. Walther: 11. 9. - Der Einsturz eines Lügengebäudes. Westend Verlag, 320 Seiten, 17,50 Euro.<br style="font-style: italic;" /> Anja Reich, Alexander Osang: Wo warst Du? Ein Septembertag in New York. Piper, 272 Seiten, 20,60 Euro.